19. Jänner 2011


Tag der Gesundheitsberufe im Gesundheitsministerium in Wien


Mit der Gründung der österreichischen Gesundheitsberufekonferenz im Mai 2009 wurde ein erster Schritt gesetzt den Herausforderungen im Gesundheitswesen gemeinsam zu begegnen. Am Mittwoch, 19. Jänner 2011, präsentierten sich die 23 Mitgliedsorganisationen erstmals bei einer gemeinsamen Tagung.

VertreterInnen der gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe diskutierten im Rahmen des Tags der Gesundheitsberufe gemeinsam mit Gesundheitsminister Alois Stöger und Sozialminister Rudolf Hundstorfer aktuelle Themen des Gesundheis- und Sozialwesens.

 




Gesundheitsminister Alois Stöger sprach sich für eine Vereinheitlichung der Spitalsgesetze aus: „Wenn wir in der Gesundheitspolitik etwas weiterbringen wollen, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Planung, Steuerung und Finanzierung im Gesundheitssystem müssen in eine Hand gelegt werden. Dazu gehört auch die Vereinheitlichung der Krankenanstaltengesetze, von denen wir derzeit zehn haben. Bis zum Jahr 2014 soll diese Reform umgesetzt werden“, so Stöger an.

Das Geld, das im Gesundheitssystem zur Verfügung stehe, müsse sinnvoll eingesetzt werden, dazu sei eine Einigung auf gemeinsame Kriterien notwendig. Natürlich sei auch Qualität ein zentrales Thema. Stöger: „Ich will bei der Qualität im Gesundheitswesen sowie bei der Ausbildung der einzelnen Gesundheitsberufe keine Kompromisse machen, sondern sie im Gegenteil weiter optimieren.“ Dazu gehöre auch die Möglichkeit für alle Gesundheitsberufe, sich beruflich weiterentwickeln zu können, und eine Akademisierung durch Fachhochschulen beispielsweise bei Pflegeberufen sei ein interessanter Zugang zu mehr Qualität.


Die Gesundheitspolitik müsse ökonomische Rahmenbedingungen mitbedenken. Es sei wünschenswert, dies in die Hände von ExpertInnen zu legen anstatt die Planung der Wirtschaft zu überlassen, erklärte der Sektionschef im Gesundheitsministerium, Gerhard Aigner. Im Hinblick auf  die gewerblichen Berufe zeigte sich Aigner auf einer Linie mit den Gesundheitsberufen: „Es soll nicht jemand am Patienten arbeiten, der seine Kenntnisse via Google erworben hat“, sprach sich der Sektionschef für Qualität aus.

 

 

Herausforderungen für die Zukunft

 

Es gelte, in Sachen Ausbildung die Zukunft im Auge zu behalten, erläuterte Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV), denn die gesellschaftlichen Veränderungen würden die Gesundheitsberufe vor gewaltige Herausforderungen stellen. "Sowohl im Akutbereich als auch in der Versorgung chronisch Kranker findet derzeit eine rasante Leistungsverdichtung für Fachpflegeberufe statt", so Frohner.

 

Gleichzeitig bestehe ein eklatanter Mangel an Pflegepesonal, der Bedarf werde sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen, nicht zuletzt deshalb, weil die Zahl pflegender Angehöriger statig abnehme.


Pflege umfasse  ein breites Spektrum an Tätigkeiten, angefangen bei klinischen und therapeutischen Interventionen bis hin zu Gesudheits- und Krankheitsmanagement. "Wir sind alle dazu aufgefordert, gemeinsam Behandlungskonzepte sowie gesundheitsfördernde und präventive Maßnahmen für bedarfsorientierte Versorgung der Menschen zu entwickeln und einzusetzen."

 

 

Die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen funktioniere bereis "hervorragend", es sei aber nicht angebracht, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, im Gegenteil, erklärte Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apotherkammer. "Eine der Herausforderungen für die Zukunft wird es sein, diese Zusammenarbeit weiter zu vertiefen und den Austausch zu intensivieren.", so Körner weiter.

 

 

 

Abgrenzung gegenüber gewerblichen Berufen

 

Manche Gesundheitsberufe haben mit politischen Widerständen zu kämpfen und sich durch gewerbliche Berufe besonders gefährdet. Dem Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Dienste (MTD-Austria) ist es ein Anliegen, analog zur Österreichischen Ärztekammer eine Registrierung aller Mitglieder durchzusetzen. "Damit soll eine deutliche Erkennbarkeit der MTD-Berufsberechtigten im Unterschied zu weniger qualifizierten gewerblichen AnbieterInnen erfolgen", erläuterte MTD-Austria Präsidentin Gabriele Jaksch.

 

 

"Obwohl unser Beruf stark nachgefragt wird, gibt es seit einigen Jahren Bestrebungen des Gesundheitsministeriums, die Berufsgruppe der Diplomierten medizinischen Fachkräfte (DMTF) zu reinen Hilfskräften zu degradieren oder überhaupt aufzulösen", schlägt Angela Meister, Präsidentin des Verbands der DMTF Österreich, Alarm.

 

 

„Wir wollen Mitsprache bei politischen Entscheidungen. Die Gesundheitsberufe
wurden schon viel zu lange ignoriert
“, hielt Walter Dorner, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, in seinem Eröffnungsstatement fest.

In Fragen der Versorgung und Qualitätssicherung müssten die Gesundheitsberufe
einbezogen werden, ihre Fachkompetenz und –expertise sei unerlässlich, betonte
Dorner. Die Gesundheitsberufekonferenz verstehe sich insofern als eine Plattform des Miteinanders und der Kommunikation, die sich darüber hinaus scharf von ökonomischen Tendenzen abgrenzen wolle.

„Der Patient ist kein Kunde und Gesundheit keine Ware“, so Dorner. Das Gesundheitssystem müsse von ökonomischen Zwängen befreit werden, sagte der ÖÄK-Präsident. Qualität im Gesundheitswesen könne nur gesichert werden, wenn man gewerblichen Berufen, die ins Gesundheitssystem hineindrängen, einen Riegel vorschiebe. Dorner: „Wir wehren uns gegen die verheerende Tendenz, Gesundheitsberufe zu Lehrberufen zu machen, und wir wehren uns gegen die Entprofessionalisierung von Gesundheitsleistungen.“

 

 

 

Förderpreis der Gesundheitsberufekonferenz 2011

Anlässlich der Veranstaltung wurde der Förderpreis der Gesundheitsberufekonferenz unter dem Motto Berufe mit  Zukunft - Zukunft im Beruf vergeben.
Der Förderpreis wurde für Projekte vergeben, die sich mit Gesundheitsförderung allgemein oder konkret mit Prävention von Übergewicht, Nikotin- und Alkoholabhängigkeit sowie anderen Abhänigigkeiten bei Jugendlichen befassen.
Die Jury setzte sich aus VertreterInnen der Gesundheitsberufekonferenz zusammen.

 

PreisträgerInnen

1. Preis
"Schulsanitätsdienst" am Wiedner Gymnasium/Sir Karl Popper Schule, Wien


2. Preis
"Drogenprävention" am Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe - AZW, Innsbruck

3. Preis
"Grips statt Chips", Projekt für Volksschulkinder im Raum Wien, AMSA