Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband, Landesverband Oberösterreich hat an die im Landtag vertretenden Parteien zum Anlaß der Landtagswahlen folgende Fragen gestellt und folgende Antworten bekommen.

Die Reihung erfolgte nach eintreffen der Antworten.



Wie hoch schätzen Sie den künftigen Bedarf an Pflegefachkräften in Oberösterreich ein?


Die Grünen OÖ, LaAbg. Ulrike Schwarz
Es ist davon auszugehen, dass sich in den nächsten zehn Jahren der Bedarf an Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen verdoppeln, eine massive Aufstockung der mobilen Pflegekräfte notwendig und auch im Krankenhaus-Bereich zusätzliches Personal notwendig sein wird.  
Die Politik ist daher gefordert  für ausreichende Ausbildungsmöglichkeiten zu sorgen und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, dass junge Menschen mit Freude diesen anspruchsvollen Beruf ergreifen. Gut ausgebildete Fachkräfte sind die Basis für ein hochwertiges und innovatives Pflegewesen in OÖ.

SPÖ Klubobmann (OÖ), Dr. Karl Frais

Der Bedarf an Pflegefachkräften zur Betreuung und Pflege kranker und alter Menschen ist stetig steigend, was auch auf die zunehmende Lebenserwartung und der damit einhergehenden Pflegebedürftigkeit immer älter werdender Menschen zurückzuführen ist. Sind derzeit in Oberösterreich 239.405 Menschen 65 Jahre und älter, so wird sich diese Bevölkerungsgruppe bis zum Jahr 2040 nahezu verdoppeln und auf 430.345 Menschen anwachsen.

Der Anteil der über 65-Jährigen an der OÖ-Gesamtbevölkerung wird also in den nächsten 30 Jahren von derzeit rund 17 % auf knapp 30 % steigen. Der Gesundheits- und Sozialbereich ist demnach der Wachstumsmarkt der Zukunft. Von besonderer Bedeutung ist es daher, dass das Gesundheits- und Sozialressort im Hinblick auf die Bedarfsplanungen im jeweiligen Bereich und die zur Verfügung stehenden bzw. notwendigen Ausbildungskapazitäten noch enger zusammenarbeiten. Die Krankenhäuser bilden diplomiertes Pflegepersonal aus, aber dieses Pflegepersonal wird nicht nur in den Krankenhäusern benötigt, sondern auch in anderen Gesundheitseinrichtungen und im Sozialbereich (Alten- und Pflegeheime,...).

Es muss daher sichergestellt werden, dass durch optimale Abstimmung für alle Sektoren ausreichend Pflegefachkräfte zur Verfügung stehen. Denn alleine in der Altenpflege werden jährlich über 300 AbsolventInnen der gehobenen Dienste für Gesundheits- und Krankenpflege und über 700 Absolventinnen FachsozialbetreuerInnen Altenarbeit (FSBA) benötigt. Die Ausbildung zum FSBA beinhaltet bekanntlich u.a. das Berufsbild der Pflegehilfe.

FPÖ Klubobmann (OÖ), Mag. Günther Steinkellner

Von Experten war zu hören, dass bis zum Jahr 2015 rund 900 Pflegekräfte fehlen werden. Eine der Ursachen dafür liegt z.B. an den hohen Kosten für die Ausbildung zum Altenfachbetreuer. Die FPÖ OÖ hat daher im Vorjahr einen Kostenersatz für diese Ausbildung beantragt, damit all jene, die diesen Beruf erlernen wollen, die gleichen Ausbildungschancen haben.

ÖVP Klubobmann (OÖ), Mag. Thomas Stelzer

Die Pflegeberufe sind sicherlich Berufe der Zukunft. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird der Bedarf an Pflege- und Betreuungsplätzen deutlich ansteigen und damit auch der Bedarf an Pflegefachkräften. In Oberösterreich haben wir aber bestens ausgebildete MitarbeiterInnen in den Pflegeberufen und können daher qualitativ hochwertige Betreuung für die Menschen anbieten.

Um das weiterhin sicherzustellen, setzt sich die OÖVP für 
eine umfassende Ausbildungs- und Wertschätzungsoffensive ein. (siehe dazu auch Antwort zu Fragen 2 und 3).




Welche Entwicklungen sehen Sie im Langzeitpflegebereich und mit welchen Maßnahmen wollen Sie auf diese Entwicklungen im Langzeitpflegebereich reagieren?


Ulrike Schwarz (Die Grünen)
Die demografische Entwicklung zeigt deutlich, dass der Anteil älterer Personen aufgrund der höheren Lebenserwartung steigen wird. Obwohl aus unserer Sicht der Normalfall "Hilfe in der eigenen Wohnung" anzustreben ist, wird man Heime nicht ganz abschaffen können. Hier braucht es aber eine massive Aufstockung der Pflegekräfte und auch mehr medizinische Betreuung als bisher.

Der Schwerpunkt der Ausbildung muss eindeutig im Bereich Gerontologie liegen. Langfristig wird man sich überlegen müssen, ob nicht zusätzliche spezielle Pflegestationen für alte und sehr kranke Menschen in den Krankenhäusern sinnvoll sind.


Karl Frais (SPÖ)
Durch die Weiterentwicklung der Medizin kommt es auch zu Änderungen und Erweiterungen des Aufgabengebietes im Langzeitpflegebereich. Wir sind heute in der Lage, Krankheiten und Verletzungen, die noch vor Jahren unweigerlich zum Tode geführt hätten, erfolgreich zu behandeln. Chronische Krankheiten, wie beispielsweise Demenzerkrankungen, stellen das gesamte Betreuungsangebot ebenfalls vor enorme Herausforderungen.

Oftmals sind die Betroffenen nicht mehr ohne professionelle Unterstützung lebens- bzw. sogar überlebensfähig wie etwa langzeitbeatmungspflichtige Menschen oder Wachkomapatientinnen und – patienten. Entsprechend dem Anstieg an pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen (in Oberösterreich von 74.549 im Jahr 2008 auf 104.255 im Jahr 2030) muss natürlich auch das Pflege- und Betreuungsangebot ausgebaut werden.

Durch den Erfolg der Strategie "mobil vor stationär" weisen die BewohnerInnen der Alten- und Pflegeheime heute eine im Schnitt wesentlich höhere Pflegestufe auf. Diese steigende Herausforderung muss sich auch in der Zusammensetzung des Personals wieder finden. Als erster Schritt wurde mit 1.1.2009 der Anteil des diplomierten Personals von 20% auf 20 bis 25% angehoben.

Mittelfristig muss der gesamte Personalschlüssel in den Alten- und Pflegeheimen überarbeitet und angehoben werden. Im Bereich der Mobilen Dienste muss der Ausbau (vor allem in den Abendstunden und an den Wochenenden) noch stärker als bisher forciert werden. Zudem bedarf es neuer Wohnformen für betreuungs- und pflegebedürftige Menschen wie bspw. Wohngemeinschaften, die derzeit im OÖ Sozialressort erarbeitet werden.

Ziel ist somit eine weitere inhaltliche Ausdifferenzierung des derzeitigen Angebots. Zudem hat LR Ackerl im Frühjahr alle oberösterreichischen Sozialhilfeverbände besucht, mit dem Ziel die Dezentralisierung der Alten- und Pflegeheime - sprich die Errichtung kleiner Häuser - voranzutreiben.


Mag. Günther Steinkellner (FPÖ)
Die Langzeitpflege ist sehr wesentlich durch die demographische Entwicklung geprägt. Der Bedarf an Pflegekräften Heimplätzen in den Alten- und Pflegeheimen, aber auch die mobile Betreuung ist daher laufend zu evaluieren.


Mag. Thomas Stelzer (ÖVP)
Die Menschen werden zum Glück immer älter und viele sind auch länger gesund. Es steigt aber auch der Anteil an Menschen, die pflegebedürftig sind und daher für längere Zeit in Betreuungseinrichtungen sind. Der Langzeitpflegebereich nimmt daher sicherlich künftig eine noch größere Bedeutung ein. Wir müssen dafür sorgen, dass wir durch entsprechende Kapazitäten an Betreuungsplätzen dieser Entwicklung Rechnung tragen können.

Speziell auch bei der Planung des benötigten Pflegepersonals müssen wir diese Entwicklung berücksichtigen. Die OÖVP tritt daher für eine Ausbildungs- und Wertschätzungsoffensive für Pflegeberufe ein. Das Land Oberösterreich unternimmt alle Anstrengungen, die Ausbildungskapazitäten in den Ausbildungseinrichtungen für Pflegeberufe auszubauen. Daher wird die Gesundheits- und Spitals-AG des Landes (gespag) ihre Kapazitäten weiter aufstocken. Durch spezielle Lehrgänge für Pflegepersonen in den Alten- und Pflegeheimen soll die Anzahl der jährlichen AbsolventInnen im Diplombereich um rund 100 pro Jahr gesteigert werden. In den nächsten Jahren können daher mehr als 500 zusätzliche DiplompflegerInnen für die Betreuung und Pflege in Oberösterreich eingesetzt werden.

Dabei wird auch Rücksicht auf die regionale Verteilung genommen, damit in allen Landesteilen Pflegepersonen ausreichend zur Verfügung stehen. Für diese bereits fixierte Maßnahme wird das Land Oberösterreich 1,4 Mio. € pro Jahr in die Hand nehmen.

Allein die Ausbildungskapazität zu steigern ist allerdings zu wenig. Wir brauchen daher auch eine Image- und Wertschätzungsoffensive für Pflegeberufe. Wir müssen dafür sorgen, dass der so wichtige Pflegeberuf für noch mehr Menschen ein Beruf mit Zukunft sein kann. Daher brauchen wir finanzielle Unterstützung für entsprechende Ausbildungen, Maßnahmen für WiedereinsteigerInnen, aber natürlich auch gute Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz.



Wie schätzen Sie die derzeitigen Arbeitsbedingungen im Pflegebereich generell ein und welche Möglichkeiten planen sie zur Verbesserung?



Ulrike Schwarz (Die Grünen)

Die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsumfeld von Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, sind den Grünen ein besonders wichtiges Anliegen. Wir sind uns bewusst, dass Tätige im Pflegebereich besonderen physischen und psychischen Belastungen und Anforderungen ausgesetzt sind.

Wir setzen und wir werden uns auch weiterhin 
für eine klare Aufwertung und bessere Bezahlung für Menschen in Pflegeberufen, entsprechend der hohen Verantwortung und Arbeitsbelastung in diesem Bereich, einsetzen. Wir fordern die Aus- und Weiterbildungsangebote weiter zu entwickeln und auch den neuen Bedürfnissen und Anforderungen Rechnung zu tragen.

Gerade Beschäftigte im Pflegebereich sind besonders von Burn-Out aufgrund ihrer Tätigkeiten betroffen. Verpflichtende und bezahlte Supervision sowie die Einhaltung und Kontrolle von Arbeitszeiten sind wesentliche Rahmenbedingungen.


Dr. Karl Frais (SPÖ)
Die Arbeit in der Pflege ist anspruchsvoll, verantwortungsvoll und jeden Tag aufs Neue eine physische und psychische Herausforderung. Eine im Jahr 2003 im Auftrag des Gesundheitsressorts in diesem Zusammenhang durchgeführte Studie hat ergeben, dass eine Verbesserung des Arbeitsumfeldes – neben der besseren Bezahlung – primär folgende Maßnahmen erreicht werden könnte:

Weitere Flexibilisierung der Arbeitzeit, Abbau von Hierarchien (vor allem zwischen den Berufsgruppen) verbunden mit einer besseren interdisziplinären Zusammenarbeit und Verbesserung der Zusammenarbeit innerhalb des Berufsfeldes sowie mit Vorgesetzten. Am vordringlichsten ist jedoch sicher die bedauerlicherweise gängige Praxis, dass Unterbesetzungen durch Mehrarbeit der bestehenden Pflegekräfte kompensiert werden, zu überwinden. Hier liegt für die nächste Zeit ein Gefahrenherd, denn auf längere Sicht könnten dadurch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege aufgrund von Überlastung verloren gehen.

Seitens des Gesundheitsreferates wird aus diesem Grund bei den jährlichen Voranschlagsverhandlungen mit den Krankenhausträgern immer sehr darauf Bedacht genommen, dass beantragtes, zusätzliches Pflegepersonal genehmigt wird, um dem Stammpersonal Überstunden zu ersparen. Die wirksamste Verbesserung wäre sicher, das Personal noch viel schneller als bisher aufzustocken.

Auch die Entlohnung der MitarbeiterInnen sollte verbessert werden, obwohl hierfür leider ebenso die finanziellen Mittel fehlen. Zudem muss die inhaltliche Entwicklung - vor allem im Bereich der Demenz - weiter vorangetrieben werden. So herrscht bspw. in Alten- und Pflegeheimen, wo innovative Pflegekonzepte erfolgreich umgesetzt werden, ein außerordentlich gutes Betriebsklima. Mittelfristig plant das OÖ Sozialressort unter LR Ackerl u.a. den Personalschlüssel in Alten- und Pflegeheimen anzuheben und weiter innovative Konzepte zu forcieren.

Zudem sollen mit einem Modell für eine leistbare, berufsbegleitende Ausbildung neue MitarbeiterInnen gewonnen und die Qualität der LehrgangsabsolventInnen erhöht werden.
Die wichtigste Herausforderung liegt aber darin, die Finanzpolitik - vor allem auf Bundesebene - zu überzeugen, die für die Absicherung und Weiterentwicklung der Angebote notwendigen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Das ist sicherlich der entscheidende Punkt bei all diesen Fragen.


Mag. Günther Steinkellner (FPÖ)
Die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich schätze ich sehr schwierig ein, die physische und psychische Belastung als sehr hoch. In den Alten- und Pflegeheimen z.B. sollte der Mindestpersonalschlüssel daher nicht nur eingehalten, sondern auch überdacht werden.


Mag. Thomas Stelzer (ÖVP)

Frauen und Männer im Pflegebereich leisten sehr viel! Die OÖVP hat großen Respekt vor ihrer Leistungsbereitschaft, ihrem Einsatz und ihrem Engagement. Damit sie weiterhin gerne in diesem Bereich tätig sind und damit sich auch mehr Menschen für diese Berufe entscheiden, gilt es die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich stetig weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Nur ein zufriedenstellendes Arbeitsumfeld ermöglicht eine optimale Pflege. Die OÖVP möchte daher durch die genannte Ausbildungs- und Wertschätzungsoffensive sicherstellen, dass genügend gut ausgebildetes Pflege- und Betreuungspersonal zur Verfügung steht, damit die bestehenden MitarbeiterInnen nicht an ständiger Überlastung leiden.

Es braucht auch Maßnahmen zum Ausgleich und zum Abstandkriegen, damit die MitarbeiterInnen nicht ausbrennen an ihrem verantwortungsvollen, besonders herausfordernden Beruf. Als Politik sind wir laufend auch gefordert, ständig die Entwicklungen zu beobachten und gegebenenfalls die (gesetzlichen) Rahmenbedingungen für die Pflegeberufe anzupassen.



Mit welchen Maßnahmen wollen Sie die Dauer der Berufsausübung in der Fachpflege verlängern?



Ulrike Schwarz (Die Grünen)
Bessere Arbeitsbedingungen und ausreichend Personal sind sicher der Schlüssel zu hoher Arbeitszufriedenheit und für den Verbleib in diesem Beruf. Zusätzlich braucht es flexiblere Arbeitszeitmodelle bzw. Kinderbetreuungsangebote, damit Beruf und Familie besser vereinbar sind. Auch ist es wichtig den Wiedereinstieg nach der Karenz zu erleichtern.


Dr. Karl Frais (SPÖ)
Das Halten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegebereich ist ein vorrangiges Thema. Pflege als Sozialberuf ist ein Beruf mit Zukunft, mit Entwicklungsmöglichkeiten, mit Abwechslung und auch mit einer Fülle von Karrieremöglichkeiten. Die Attraktivität des Pflegeberufs – vor allem in der Altenpflege – liegt mit Sicherheit in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und 
in der Arbeitsplatzsicherheit, was in einem derart frauendominierten Beruf sehr von Vorteil ist.

Nichts desto trotz wird gemeinhin die Pflege ungerechtfertigter Weise zu wenig gewürdigt und ihr ein zu geringer öffentlicher Stellenwert beigemessen. Der Pflegeberuf muss daher für die Berufsausübenden selbst attraktiver gestaltetet werden.

Dringend notwenig ist hier sicherlich die Entlastung des Pflegefachpersonals von berufsfremden Tätigkeiten - vorausgesetzt natürlich, dass die Bereitschaft der Pflegemitarbeiterinnen und Pflegemitarbeiter besteht, im Berufsfeld eine Differenzierung zuzulassen. In Oberösterreich laufen in diesem Zusammenhang Pilotversuche mit sogenannten Stationssekretärinnen, die das Pflegepersonal von administrativen Aufgaben entlasten sollen.

Da der Pflegeberuf einer ständigen Weiterentwicklung unterliegt, ist der Fokus verstärkt auf adäquate Wiedereinstiegsprogramme sowie Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramme zu legen. Der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Berufssparten im Berufsfeld "Pflege" muss ebenso wie die Arbeitszeitgestaltung weiter erleichtert werden, um auf veränderte Lebensumstände der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser reagieren zu können.

Dies bedarf einer noch intensiveren Zusammenarbeit des Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereiches, die in Oberösterreich bereits angestrebt wird. Eine aktuelle Studie des OÖ Sozialressorts hat jedoch auch gezeigt, dass die Fluktuation unter den MitarbeiterInnen im Bereich Altenpflege/betreuung wesentlich geringer ist, als öffentlich kolportiert.

Um die Berufsdauer weiter zu verlängern, soll - wie erwähnt - u.a. die Anzahl und Qualität der MitarbeiterInnen erhöht, neue Modelle der Altenpflege und -betreuung implementiert werden. Ganz entscheidend ist auch die Qualität der Führungskräfte (von der vieles abhängt) zu stärken.


Mag. Günther Steinkellner (FPÖ)
Eine bessere Bezahlung sowie eine Imagekampagne, aber auch die voran genannte Verbesserung der Arbeitsbedingungen sollten die Verweildauer in diesem Beruf verlängern.


Mag. Thomas Stelzer (ÖVP)
siehe Antwort zu Frage 3. – durch entsprechende zufriedenstellende Arbeitsbedingungen.


Wie wollen Sie pflegende Angehörige unterstützen?


Ulrike Schwarz (Die Grünen)
Einzig eine bedürfnisgerechte und gemeinsame Planung von Wohn- und Pflegeheimen, teilstationären Einrichtungen, mobiler Pflege und Betreuungsangebote, gemeinsam mit den niedergelassenen ÄrztInnen garantieren eine bestmögliche Versorgung.

Vordringlich ist der Aufbau von Tageseinrichtungen. Durch ein vielfältiges Angebot und weniger bürokratische Vorgaben  
können so pflegende Angehörige, zumeist Frauen, entlastet werden.


Dr. Karl Frais (SPÖ)
Derzeit gibt es von der vergünstigten/kostenlosen Pensionsversicherung bis zu der vom OÖ Sozialressort finanzierten Servicestelle der Caritas für pflegende Angehörige ein Bündel an Maßnahmen, um pflegende Angehörige zu stützen.

Als eine der weiteren Maßnahmen plant das OÖ Sozialressort eine mehrstündige Entlastung im Rahmen der Mobilen Dienste, damit pflegende Angehörige zumindest auch einmal einen halben Tag durchgehend von der Pflege entlastet sind. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber vor allem - wie bereits erwähnt - der massive und schnelle Ausbau der Mobilen Dienste und die Forcierung der Tagespflege.

Zusätzlich wurde bereits im Mai 2002 der “Stammtisch Pflegende Angehörige” ins Leben gerufenen. Das ist eine offene Gesprächsrunde unter der Leitung einer diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester, in der es den Betroffenen ermöglicht werden soll, mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen und sich dabei über Probleme und Erfahrungen auszutauschen, aber gleichzeitig professionelle Beratung und Hilfestellung in Anspruch nehmen zu können. Mittlerweile werden vom Gesundheitsressort bereits 66 derartige Stammtische gefördert, die bereits beinahe in jedem oberösterreichischen Bezirk etabliert wurden.

Wegen der sinkenden Verweildauer im Krankenhaus und bestehender Pflegebedürftigkeit auch nach der Entlassung steigen die Belastungen für die pflegenden Angehörigen und auch die Wiederaufnahmeraten in den Spitälern nachhaltig. Um diesem Trend entgegen zu wirken, wurde in OÖ die Überleitungspflege installiert. Die Überleitungspflege ist ein maßgeschneidertes Netzwerk der Hilfe zur Selbsthilfe.

Die eigens dafür ausgebildeten Überleitungsschwestern sorgen dafür, dass für Patientinnen und Patienten so wie deren Angehörigen der Übergang aus dem Krankenhaus in eine Nachsorgeeinrichtung oder im Idealfall nach Hause optimal funktioniert. Es werden Kontakte zur mobilen Hauskrankenpflege oder anderen sozialen Einrichtungen aufgenommen, die der Patient benötigt, damit er sich in seinem gewohnten Lebensumfeld zurecht findet.


Mag. Günther Steinkellner (FPÖ)
Mehr Kurzzeitpflegebetten in den Alten- und Pflegeheimen sollen ermöglichen, dass auch pflegende Angehörige auf Urlaub gehen können und sich während dessen nicht Sorgen um ihre pflegebedürftigen Angehörigen machen müssen. Pflegende Angehörige sollten aber auch die Möglichkeit bekommen, sich in geriatrischen Belangen ausbilden zu können.

Mag. Thomas Stelzer (ÖVP)
Rund 80% der pflegebedürftigen Menschen werden derzeit von Angehörigen gepflegt und betreut. Pflegende Angehörige leisten unheimlich viel für die Gesellschaft und daher ist uns deren Entlastung ein besonderes Anliegen.

Wichtig ist primär, dass pflegende Angehörige durch ihre Pflegearbeit keine Nachteile sowohl finanziell als auch gesundheitlich haben. Pflegende Angehörige brauchen eine gute sozialrechtliche Absicherung in der Sozialversicherung und Krankenversicherung.

Sie brauchen aber auch Entlastungs- und Unterstützungsangebote, wie Mobile Dienste, Tagesbetreuung, Kurzzeitbetreuung, Gesprächsrunden für pflegende Angehörige, Beratungsangebote Erholungsmöglichkeiten, etc. Die OÖVP will daher weiterhin den Ausbau dieser unterstützenden Angebote vorantreiben.



Welchen Stellenwert messen Sie Gesundheitsförderung und Prävention bei und welche Rolle sehen sie für die Pflegefachkräfte bei deren Umsetzung?



Ulrike Schwarz (Die Grünen)
Zahlreiche Untersuchungen bestätigen, dass gesundheitsfördernde und Präventionsmaßnahmen mitunter auch den Alterungsprozess positiv beeinflussen können. Ein Großteil der Krankheiten ist lebensstilbedingt bzw. hat mit Einkommen, Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen der Menschen zu tun. Gerade hier ist die Kompetenz der Pflegefachkräfte notwendig, die dringend notwendigen präventiven Angebote zu gestalten und zu unterstützen.


Dr. Karl Frais (SPÖ)
Zahlreiche gesundheitliche Probleme der Bevölkerung, die das Erkrankungsspektrum und die Todesursachen prägen, stehen vielfach in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Lebensstil und dem Lebensumfeld der Menschen.

Hier gilt es Maßnahmen zu setzen, die zu positiven Veränderungen führen, denn alles was wir durch Gesundheitsförderung und Prävention erreichen können, erspart den Menschen viel späteres Leid und auch dem Staat – auf längere Sicht gesehen – viel Geld. Gesundheitsförderung und Prävention gewinnen daher immer mehr an Bedeutung.

Für Pflegefachkräfte ergeben sich dadurch neue Aufgaben und Herausforderungen, denn als mit Abstand größte Gruppe unter den Gesundheitsberufen verfügen diese über häufigen und intensivsten Kontakt zu den Patientinnen und Patienten. Ihnen kommt daher eine entscheidende Rolle im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention zu. Dies findet auch Niederschlag in den bundesgesetzlichen Regelungen für die Gesundheits- und Krankenpflege, wo festgehalten ist, dass die Ausübung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege die Gesundheitsförderung und –beratung im Rahmen der Pflege umfasst.

In diesem Zusammenhang plant das OÖ Sozialressort ein Pilotmodell für einen "präventiven Hausbesuch" bei älteren Menschen, bei denen vor allem geschulte Pflegekräfte eingesetzt werden sollen.

Die Pflegeforschung wird in diesem Zusammenhang jedoch noch einen wesentlichen Betrag dazu leisten müssen, dass im Berufsfeld selbst und in der breiten Öffentlichkeit Pflege nicht mehr nur als letzte Instanz in der Versorgungskette wahrgenommen wird.


Mag. Günther Steinkellner (FPÖ)
Die Gesundheitsförderung und Prävention kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Damit spart man nicht nur körperliches Leid, sondern auch viel Geld bei den Behandlungskosten. Wichtig ist dabei die Aufklärungsarbeit, zu der Pflegekräfte einen wichtigen Beitrag leisten können.


Mag. Thomas Stelzer (ÖVP)
Oberösterreich ist stolz auf die hohe Qualität seines Gesundheitssystems. Oberstes Ziel muss es immer sein, Krankheit bestmöglich zu verhindern. Die Gesundheitsförderung und Prävention ist uns daher ein besonderes Anliegen, da die physische und psychische Gesundheit das größte Kapital des Menschen ist.

Die OÖVP setzt sich daher unter anderem für die Ausweitung der betrieblichen Gesundheitsförderung ein sowie für ein Mehr an Prävention in Kindergärten und Schulen, wie z.B. Projekte zum Thema richtige Ernährung und ausreichend Bewegung.

Die Pflegefachkräfte sind eine der wesentlichen Säulen des Gesundheitssystems und müssen daher auch im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention eine wichtige Rolle spielen und entsprechend in die Erarbeitung von Konzepten und deren Umsetzung eingebunden sein, denn auch in diesem Bereich braucht es die Perspektiven und Ansätze von verschiedenen Berufsgruppen, um wirkungsvolle Maßnahmen setzen zu können.



Welche Schritte wollen Sie im Bildungsbereich der Pflegeberufe setzten?



Ulrike Schwarz (Die Grünen)

Es ist uns wichtig, dass die Ausbildung auch im Pflegebereich weiterentwickelt wird, mit den Schwerpunkten Durchlässigkeit und Aufwertung des Berufsbildes. Langfristig gesehen denke ich, dass auch die diplomierten Pflegeberufe in die Fachhochschule integriert werden müssen.

Eine Lehrausbildung sehe ich als wenig sinnvoll an, besser wird es sein ein gutes Modulsystem zu etablieren, sodass der Aufstieg von der Heimhilfe über die PflegehelferIn bis hin zur diplomierten Fachkraft möglich ist.


Dr. Karl Frais (SPÖ)
Die Ausbildungswege im Bereich der Gesundheitsberufe und im Speziellen die der Pflege sind teilweise sehr zersplittert und entsprechen oft nicht mehr dem raschen Wandel der Rahmenbedingungen bzw. den künftigen Anforderungen des Gesundheitswesens.

Es ist daher in diesem Zusammenhang unbedingt erforderlich und dringend notwendig eine bundesweit abgestimmte Bedarfsplanung für die verschiedenen Berufsbilder, Ausbildungsstufen und auch Ausbildungskapazitäten durchzuführen. Ein Gesamtkonzept der Ausbildungen und der Tätigkeitsprofile speziell im Gesundheits- und Krankenpflegebereich ist unter Einbeziehung der Betroffenen zu erarbeiten.

Die Durchlässigkeit zwischen Gesundheits- und Sozialberufen gilt es dabei so gut wie möglich sicherzustellen. Bereits im Jahr 2007 haben die Landesgesundheitsreferenten das Bundesministerium ersucht, diesbezüglich eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Von der ehemaligen Gesundheitsministern Kdolsky wurde eine derartige Arbeitsgruppe jedoch nie einberufen.

Die Landesgesundheitsreferentinnen und –referenten sind daher nun im Juni mit diesem Anliegen an Gesundheitsminister Stöger herangetreten. In der Zuständigkeit des Sozialressorts soll der Weg der Sozialbetreuungsberufe aufbauend auf die entsprechende Art.15a-Vereinbarung und das oberösterreichische Sozialberufegesetz weitergeführt werden. In vielen dieser Berufsbilder ist die Pflegehilfe oder zumindest das UBV-Modul inkludiert.


Mag. Günther Steinkellner
(FPÖ)
Mit der bundesweiten Vereinheitlichung der Sozialberufe meine ich, dass ein wichtiger Schritt gesetzt wurde. Darüber hinaus halte ich den Kompetenz-Wirrwarr im Pflegebereich für dringend reformbedürftig.


Mag. Thomas Stelzer (ÖVP)
Es ist der OÖVP ein Anliegen, die Ausbildung der Gesundheits- und Sozialberufe ständig weiter zu attraktivieren. Wichtige Ansatzpunkte sind für uns die Forcierung von berufsbegleitenden Modellen und die Sicherstellung des Lebensunterhalts während der Ausbildungszeit. Die ÖVP Oberösterreich setzt sich außerdem für eine Sonderausbildung für 500 zusätzliche Pflegekräfte in der Gespag ein (siehe dazu auch Antwort zu Frage 2).



Welche Bedeutung messen sie der Pflegeforschung zu und wie gedenken sie, Ergebnisse der Pflegeforschung in ihren politischen Entscheidungen einzubinden?


Ulrike Schwarz (Die Grünen)
Es ist uns wichtig, den Menschen eine moderne und bedürfnisgerechte Pflegeversorgung zukommen zu lassen. Dabei spielt selbstverständlich die Berücksichtigung der Ergebnisse aus der Pflegeforschung eine gewichtige Rolle.

Wir wollen weiterhin gemeinsam mit den Menschen aus der Forschung, aber vor allem aus der Praxis die Weiterentwicklung der Pflege im Sinne der PatientInnen gestalten.


Dr. Karl Frais (SPÖ)
Die Pflegeforschung ist in Österreich - wie in vielen anderen Staaten - eine noch relativ junge Wissenschaft, aber deshalb nicht minder von Bedeutung, ganz im Gegenteil. Durch die Pflegeforschung wird der Nutzen und die Bedeutung professioneller Pflege nachgewiesen und sichtbar gemacht.

Dadurch stehen den politisch Verantwortlichen wissenschaftlich fundierte Belege für notwendige Entscheidungen und Maßnahmen zur Verfügung. Die Ergebnisse der Pflegeforschung werden in politische Entscheidungen beispielsweise bei der Entwicklung von Pflegestandards, bei der Erstellung von Konzepten oder Leitlinien sowie bei der Evaluierung von bestehenden Modellen so gut als möglich eingebunden.

Forschung ist hier - ebenso wie in jedem anderem Bereich auch - der Schlüssel für die Weiterentwicklung in der Praxis, wodurch letztendlich die Pflegequalität weiter verbessert werden kann. Insbesondere soll auch das Zusammenwirken mit bestehenden und zukünftigen Fachhochschulstudiengängen weiter forciert werden.


Mag. Günther Steinkellner (FPÖ)
Die Ergebnisse der Pflegeforschung sehe ich als einen wichtigen Teil der Ausbildung zur Pflegefachkraft. Die Politik muss Interesse an qualifizierten Pflegefachkräften haben und im Rahmen des Möglichen alles unternehmen, damit das angehende Pflegepersonal auf ihren künftigen Beruf bestens vorbereitet wird.


Mag. Thomas Stelzer (ÖVP)

Die Pflegeforschung hat in den letzten Jahren auch in Europa an Bedeutung gewonnen und muss unserer Meinung nach neben der medizinischen Forschung einen hohen Stellenwert haben.

Vor allem angesichts der steigenden Bedarfe muss dieser Disziplin künftig noch verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt werden – vor allem wenn es darum geht, Pflege- und Betreuungskonzepte (weiter)zu entwickeln und pflegerisches Handeln ständig zu verbessern.

Wichtig ist natürlich, dass Forschung und Praxis immerzu verknüpft werden. Für unsere politischen Entscheidungen stellen wissenschaftliche Erkenntnisse aus den verschiedensten Fachbereichen eine wichtige Informations- und Entscheidungsgrundlagen dar.

Im Bereich der Altenpflege und –betreuung stehen große Herausforderungen an und dabei werden wir selbstverständlich auch die Erkenntnisse der Pflegeforschung, beispielsweise in Gesetzwerdungsprozessen, entsprechend mit einbeziehen.

 

Welche Maßnahmen wollen sie setzten um ausgebildete Pflegefachkräfte beim Wiedereinstieg zu unterstützen?


Ulrike Schwarz (Die Grünen)
Familiengerechte Arbeitszeitmodelle und mehr gesundheitsförderliche Angebote sollen den Wiedereinstieg für ausgebildete Pflegefachkräfte erleichtern und unterstützen.


Dr. Karl Frais (SPÖ)
Im Rahmen der bereits erwähnten Studie im Jahr 2003 wurden 100 Berufsaussteigerinnen und Berufsaussteiger zu diesem Thema befragt. 43 % gaben an, sich eine Rückkehr in ihren Beruf bei verbesserten Arbeitsbedingungen, wie z.B. weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit, vorstellen zu können.

Dieses Potential gilt es jedenfalls zu nutzen, da dadurch kurzfristig dem System zusätzliche und bereits erfahrene Pflegemitarbeiterinnen und Pflegmitarbeiter zur Verfügung stehen würden.

Gemeinsam mit Pflegeexperten und den Sozial- und Gesundheitsdienstanbietern müssen daher maßgeschneiderte Wiedereinstiegsprogramme erarbeitet und umgesetzt werden. Von elementarer Bedeutung ist dabei zweifelsohne, dass potentielle WiedereinsteigerInnen sorgfältig auf die Rückkehr in den Pflegeberuf vorbereitet werden, damit diese anschließend möglichst lange im Beruf gehalten werden können.

Besonders wichtig ist es auch, MitarbeiterInnen während ihrer Abwesenheit bspw. durch die Einbindung in Schulungsprogramme auf dem aktuellen Stand zu halten und die Beziehungen zu KollegInnen und Betrieb aufrecht zu erhalten. Zudem werden gerade im Bereich der Altenpflege und -betreuung besonders viele Teilzeitstellen angeboten, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern sollen.


Mag. Günther Steinkellner (FPÖ)
Je länger der Beruf nicht ausgeübt wurde, umso schwieriger ist der Wiedereinstieg. Entsprechende Kurse, die sämtliche Neuerungen vermitteln, sollten daher angeboten werden.


Mag. Thomas Stelzer (ÖVP)
Der Wiedereinstieg für ausgebildete Pflegefachkräfte soll so einfach und unkompliziert wie möglich erfolgen, denn das Wissen und die Erfahrung der WiedereinsteigerInnen darf keinesfalls verloren gehen – gerade angesichts des steigenden Bedarfs an Pflegekräften.

Durch die Verstärkung von aktivem Karenzmanagement soll künftig ein noch zukunftsorientierteres und familiengerechteres Personalmanagement erfolgen. Um die künftigen Bedarfe zu decken, müssen wir aber auch WiedereinsteigerInnen bzw. UmsteigerInnen aus anderen Berufen für die Pflegeberufe gewinnen und sie dafür qualifizieren.

Sehr wichtig ist dafür eine gute Beratung und Begleitung, um deren persönliche Eignung so früh wie möglich feststellen zu können.



Landesvorsitzender ÖGKV-Landesverband OÖ
Horst Muhr

Akademischer Leiter im gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege
Tel.: 0676/7205686
horst.muhr@oegkv.at