Ö1-Morgenjournal: Pflege muss attraktiver werden

13. Mai 2014: Statement von ÖGKV-Präsidentin Frohner im Ö1 Morgenjournal
Den Beitrag zum Nachlesen - und hören finden sie unter:
http://oe1.orf.at/artikel/374823

Bis zum Jahr 2025 werden über 20.000 zusätzliche Pflegerinnen und Pfleger gebraucht - davor haben anlässlich des gestrigen internationalen Tages der Pflege die Hilfsorganisationen gewarnt. Um die Personallücke auch nur annähernd zu schließen, müssen die Pflegeberufe attraktiver gemacht werden, fordern die Hilfsorganisationen.

"Bildungssackgasse" Pflegeberuf

Es scheitert schon an der Ausbildung. Anders als im Rest Europas endet die in Österreich nämlich nicht an einer Universität, und das müsse sich ändern, sagt die Präsidentin des Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, Ursula Frohner: "Nur in Österreich und Deutschland kann man einen Berufsabschluss in Gesundheits- und Krankenpflege nicht mit einem Bakkalaureat abschließen. Das heißt, man kann in der Folge nicht an einer Universität weiterstudieren. Das ist eine Bildungssackgasse. Daher sind diese Berufe als eigenständige Gesundheitsprofessionen wenig anerkannt, dementsprechend wenig gut bezahlt und auch wenig gut in den Systemen abgebildet."

Mehr Kompetenzen

Ein weiteres Manko der aktuellen Situation: Für vieles, das in der Pflege alltäglich ist, müssen die Pflegekräfte einen Arzt zuziehen - unnötigerweise, findet Frohner: "Hilfsmittel verordnen, eine Wunde, eine chronische Wunde, die zu versorgen ist, alle Utensilien, die dazu gehören, selbstständig verschreiben zu können, wie beispielsweise Verbandsstoffe oder Desinfektionsmittel - Pflegefachpersonen haben dafür die Fachkompetenz. Derzeit ist es so, dass diese Möglichkeit alleine dem Arzt vorbehalten ist."

Wie überhaupt die Kompetenzen der Pflegekräfte zu wenig anerkannt und in der medizinischen Versorgung eingebunden würden, findet Frohner. Spritzen geben oder Blutabnehmen - all das machen diplomierte Krankenschwestern oder Pfleger zwar in Spitälern, nötig wäre es aber auch in Arztpraxen - und zwar selbständig: "Die diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen müssen auch die Möglichkeit haben, in Arztpraxen arbeiten zu können, und zwar auf fachlicher Augenhöhe. Es geht um Zusammenarbeit und nicht um Zuarbeit. Und das ist momentan noch nicht so entwickelt, wie es die künftigen Versorgungssysteme brauchen werden."

Denn Leistungskataloge, also Verträge dafür mit den Krankenkassen, gebe es nicht, kritisiert die Präsidentin des Krankenpflegeverbandes. Und sie fordert, dass der Pflegealltag von berufsfremden Tätigkeiten wie Essen servieren und Verwaltungs- und Reinigungstätigkeiten entrümpelt wird. Pflegefachkräfte seien für die Versorgung genauso wichtig wie die anderen Gesundheitsberufe, das müsse endlich anerkannt werden, sagt Frohner.