21. Mai 2010
Anlässlich der bevorstehenden Landtagswahlen im Burgenland am 30. Mai hat der ÖGKV Landesverband Burgenland die zuständigen PolitikerInnen aller Parteien gebeten zu aktuellen berufs- und gesundheitspolitischen Fragen Stellung zu nehmen.
Für die SPÖ, Klubobmann Christian Illedits:
1. Wie hoch schätzen Sie den Bedarf an Pflegefachkräften im Burgenland mittelfristig ein?
Die ExpertInnen des Landes Burgenland gehen davon aus, dass aus heutiger Sicht der Bedarf an Pflegefachkräften um rund 40 Prozent steigen wird.
2. Welche Entwicklungen sehen Sie im Langzeitpflegebereich und mit welchen Maßnahmen wollen Sie auf diese Entwicklungen im Langzeitpflegebereich reagieren?Die demografische Entwicklung im Burgenland zeigt deutlich, dass der Anteil älterer Personen aufgrund der höheren Lebenserwartung steigen wird.
Oftmals sind die Betroffenen nicht mehr ohne professionelle Unterstützung lebens- bzw. sogar überlebensfähig wie beispielsweise langzeitbeatmungspflichtige Menschen oder WachkomapatientInnen. Entsprechend dem Anstieg an pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen im Burgenland wurde in den letzten Jahren dieser Entwicklung Rechnung getragen und das Pflege- und Betreuungsangebot ausgebaut. Zudem wurden neue Wohn- und Betreuungsformen für betreuungs- und pflegebedürftige Menschen erarbeitet und implementiert.
Durch den Erfolg der Strategie "mobil vor stationär" weisen die BewohnerInnen der Alten- und Pflegeheime heute eine im Schnitt wesentlich höhere Pflegestufe auf. Diese steigende Herausforderung findet sich auch in der Zusammensetzung des Personals wieder. Das Burgenland hat im Vergleich zu den anderen Bundesländern beim gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege den höchsten Anteil. Im Burgenland beträgt das Verhältnis zwischen gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege sowie Pflegehilfe in den Heimen mit überwiegend pflegeintensiven Klienten 50:50.
3. Wie schätzen Sie die derzeitigen Arbeitsbedingungen im Pflegebereich generell ein und welche Möglichkeiten planen sie zur Verbesserung?
Die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsumfeld von Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, sind uns ein besonders wichtiges Anliegen. Wir sind uns bewusst, dass Tätige im Pflegebereich besonderen physischen und psychischen Belastungen und Anforderungen ausgesetzt sind.
Wir setzen uns für eine Aufwertung für Menschen in Pflegeberufen entsprechend der hohen Verantwortung und Arbeitsbelastung in diesem Bereich ein. Wir werden dafür eintreten, die Aus- und Weiterbildungsangebote weiter zu entwickeln, damit auch den neuen Bedürfnissen und Anforderungen Rechnung getragen wird.
Gerade Beschäftigte im Pflegebereich sind besonders von Burn-Out aufgrund ihrer Tätigkeiten betroffen. Verpflichtende und bezahlte Supervision sowie die Einhaltung und Kontrolle von Arbeitszeiten sind wesentliche Rahmenbedingungen.
Zudem muss die inhaltliche Entwicklung - vor allem im Bereich der Demenz - weiter vorangetrieben werden. So herrscht bspw. in Alten- und Pflegeheimen, wo innovative Pflegekonzepte erfolgreich umgesetzt werden, ein außerordentlich gutes Betriebsklima. Innovative Konzepte werden forciert.
4. 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden derzeit von Angehörigen gepflegt, wie wollen Sie pflegende Angehörige unterstützen und entlasten- auch in finanzieller Hinsicht?
In den letzten Jahren konnte eine Vielzahl an Entlastungs- und Unterstützungsangeboten für pflegende Angehörige erreicht werden. Exemplarisch werden folgende Möglichkeiten die pflegende Angehörige in Anspruch nehmen können aufgezeigt: Tagesbetreuung (Unterstützung finanzschwacher Personen), Kurzzeitpflege, Gesprächsrunden für pflegende Angehörige. Weiters wurden durch den Wegfall des Pflegeregresses und die Erhöhung des Pflegegeldes nicht nur die Angehörigen entlastet sondern auch die Nachfrage nach Heimplätzen gesteigert. Für stationäre Patienten steht den pflegenden Angehörigen in jedem Krankenhaus das Entlassungs- und Casemanagement als maßgeschneidertes Netzwerk der Hilfe zur Selbsthilfe zur Verfügung.
5. Welchen Stellenwert messen Sie Geriatrischer Prävention und Rehabilitation bei, und in welcher Rolle sehen Sie künftig Pflegefachkräfte bei deren Umsetzung?
Die Gesundheitsförderung und Prävention ist uns ein besonderes Anliegen, da die physische und psychische Gesundheit das größte Kapital des Menschen ist.
Zahlreiche Untersuchungen bestätigen, dass gesundheitsfördernde und Präventionsmaßnahmen mitunter auch den Alterungsprozess positiv beeinflussen können. Ein Großteil der Krankheiten ist lebensstilbedingt bzw. hat mit Einkommen, Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen der Menschen zu tun. Gerade hier ist die Kompetenz der Pflegefachkräfte notwendig, die dringend notwendigen präventiven Angebote zu gestalten und zu unterstützen.
Die Pflegefachkräfte sind eine der wesentlichen Säulen des Gesundheitssystems und spielen im Bereich der geriatrischer Prävention und Rehabilitation eine wichtige Rolle und sind im Burgenland intensiv in die Erarbeitung von Konzepten und deren Umsetzung eingebunden. Speziell in diesem Bereich braucht es die Perspektiven und Ansätze von verschiedenen Berufsgruppen, um wirkungsvolle Maßnahmen für die Zukunft setzen zu können.
6. Welche Schritte wollen Sie im Bildungsbereich der Pflegeberufe setzten? Ist Pflegeforschung für Sie von Bedeutung und gedenken Sie Ergebnisse der Pflegeforschung in Ihre politischen Entscheidungen einzubinden?
Die Ausbildungswege im Bereich der Gesundheitsberufe und im Speziellen die der Pflege sind teilweise sehr zersplittert und entsprechen oft nicht mehr dem raschen Wandel der Rahmenbedingungen bzw. den künftigen Anforderungen des Gesundheitswesens.
Es ist daher in diesem Zusammenhang unbedingt erforderlich und dringend notwendig eine bundesweit abgestimmte Bedarfsplanung für die verschiedenen Berufsbilder, Ausbildungsstufen und auch Ausbildungskapazitäten durchzuführen.
Die Pflegeforschung ist in Österreich eine noch relativ junge Wissenschaft, aber deshalb nicht minder von Bedeutung, ganz im Gegenteil. Durch die Pflegeforschung wird der Nutzen und die Bedeutung professioneller Pflege nachgewiesen und sichtbar gemacht und die Ergebnisse sollten in der Entwicklung von zukünftigen Pflege und Betreuungskonzepten einfließen.
7. Welche Möglichkeit sehen Sie für die stetig steigende Anzahl von spezialisierten freiberuflichen Pflegefachkräften, vor allem im Rahmen des mitverantwortlichen (medizinischen) Pflegebereichs, über den Hauptverband der Sozialversicherungen zu einer Rückvergütung der erbrachten Leistungen zu kommen?
Die Beziehungen zwischen den Krankenversicherungsträgern und ihren Vertragspartnern sind in Verträgen geregelt.
Im ASVG ist geregelt, welche Leistungen von den Sozialversicherungen übernommen werden. Im Bereich der Pflege ist es derzeit die medizinische Hauskrankenpflege aber nur, wenn sie einen Krankenhausaufenthalt ersetzt. Erst eine gesetzliche Regelung gibt den Sozialversicherungen die Möglichkeit Leistungen zu übernehmen. Das Leistungsspektrum neu zu definieren und gesetzlich zu verankern, sind daher dringend notwendige Schritte hin zu einer Rückvergütung.
8. Welche Maßnahmen wollen sie setzten um ausgebildete Pflegefachkräfte beim Widereinstieg in den Beruf zu unterstützen?
Da der Pflegeberuf einer ständigen Weiterentwicklung unterliegt, ist der Fokus verstärkt auf adäquate Wiedereinstiegsprogramme sowie Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramme zu legen.
ÖGKV-Landesverband Burgenland
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