21. Mai 2010

Anlässlich der bevorstehenden Landtagswahlen im Burgenland am 30. Mai hat der ÖGKV Landesverband Burgenland die zuständigen PolitikerInnen aller Parteien gebeten zu aktuellen berufs- und gesundheitspolitischen Fragen Stellung zu nehmen.


Für die ÖVP, Klubobmann Rudolf Strommer und Gesundheitssprecher Mag. Werner Gradwohl


1.      Wie hoch schätzen Sie den Bedarf an Pflegefachkräften im Burgenland mittelfristig ein?
Sehr hoch, da derzeit im ländlich strukturierten Burgenland weit über 80 Prozent von pflegenden Angehörigen betreut werden. Hier gibt es schon jetzt durch die Abschaffung des Regresses für die Kinder einen riesigen Nachholbedarf für Fachkräfte speziell im stationären Bereich.

2.      Welche Entwicklungen sehen Sie im Langzeitpflegebereich und mit welchen Maßnahmen wollen Sie auf diese Entwicklungen im Langzeitpflegebereich reagieren?
Leistbare und bedarfsorientierte, mobile und stationäre und teilstationäre Betreuungsangebote ausbauen ist die eine Seite.

Zudem gilt es die Pflegeberatung für individuelle Lösungen vor Ort einzuführen. Das heißt eine flächendeckende, kostenlose Pflegeberatung für Pflegegeldbezieher im Burgenland und deren Angehörige soll aufgebaut werden, damit praktische Fragen in der Pflege vor Ost geklärt werden können.


3.      Wie schätzen Sie die derzeitigen Arbeitsbedingungen im Pflegebereich generell ein und welche Möglichkeiten planen sie zur Verbesserung?
Die derzeitigen Arbeitsbedingungen im Pflegebereich sind von den organisatorischen Rahmenbedingungen gut; was fehlt sind permanente Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Pflegekräfte. Diese scheitern sehr oft an den mangelnden finanziellen Ressourcen.

Verbesserungen: Neue Wohnformen schaffen und Sachleistungen im Pflegebereich gestalten.

Den Zugang zu Behelfen und Hilfsmitteln einfacher zugängig machen und die Abläufe durch Vereinfachung der Genehmigungsverfahren zu optimieren.

 

4.      80 Prozent der Pflegebedürftigen werden derzeit von Angehörigen gepflegt, wie wollen Sie pflegende Angehörige unterstützen und entlasten- auch in finanzieller Hinsicht?
Jährliche Anpassung des Pflegegeldes an die Inflation (Valorisierung), damit seine Kaufkraft erhalten bleibt.

5.      Welchen Stellenwert messen Sie Geriatrischer Prävention und Rehabilitation bei, und in welcher Rolle sehen Sie künftig Pflegefachkräfte bei deren Umsetzung?
Geriatrische Prävention und Rehabilitation sind enorm wichtige Felder und müssen so wie bisher in das Netzwerk der Alten- und Behindertenbetreuung eingebunden bleiben. Wichtig ist dabei, dass künftig eine besondere Aufmerksamkeit auf eine stetige Evaluierung der Bedarfsentwicklung in der Altenpflege gelegt wird.

Bei der Umsetzung dieser beiden Bereiche sind insbesondere die Fach-SozialbetreuerInnen aufgrund ihrer gezielten Ausbildung für die Mitgestaltung der Lebenswelt von Menschen mit Behinderung oder Alter, gefragt.



6. Welche Schritte wollen Sie im Bildungsbereich der Pflegeberufe setzten? Ist Pflegeforschung für Sie von Bedeutung und gedenken Sie Ergebnisse der Pflegeforschung in Ihre politischen Entscheidungen einzubinden?
Österreichweit bedarf es einer Harmonisierung der Berufsbilder und Berufsbezeichnungen sowie einheitlicher Ausbildungs- und Qualitätsstandards.

Hier bildet die 15a Vereinbarung über Sozialbetreuungsberufe eine gute Grundlage für eine einheitliche gesetzliche Basis in Österreich. Ein allfälliger nächster Schritt – mittelfristig – ist eine Eu – konforme Regelung. Insbesondere sollen in die Ausbildung auch ständig die Ergebnisse der Pflegeforschung einfließen.

Das zweijährige Angebot einer Ausbildung zum Altenfachbetreuer inc. Pflegehilfe und Behindertenbetreuer in Pinkafeld – übrigens einzigartig in Österreich – ist zukunftsweisend und ausbaufähig. Die Politik soll dabei nur die entsprechenden finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen schaffen und sich aus der operativen Pflegeforschung heraushalten.


7.      Welche Möglichkeit sehen Sie für die stetig steigende Anzahl von spezialisierten freiberuflichen Pflegefachkräften, vor allem im Rahmen des mitverantwortlichen (medizinischen) Pflegebereichs, über den Hauptverband der Sozialversicherungen zu einer Rückvergütung der erbrachten Leistungen zu kommen?
Derzeit aufgrund der angespannten budgetären Lage der Sozialversicherungsträger und des Hauptverbandes wenig bis gar keine.

 

8.      Welche Maßnahmen wollen sie setzten um ausgebildete Pflegefachkräfte beim Widereinstieg in den Beruf zu unterstützen?
Spezielle Lehrgänge und praxisnahe Crash – Kurse modular anbieten über WIFI und BFI. Dezentrale Abendkurse in jenen Regionen, wo es keine Fachschulangebote gibt



ÖGKV-Landesverband Burgenland




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