21. Mai 2010
Anlässlich der bevorstehenden Landtagswahlen im Burgenland am 30. Mai hat der ÖGKV Landesverband Burgenland die zuständigen PolitikerInnen aller Parteien gebeten zu aktuellen berufs- und gesundheitspolitischen Fragen Stellung zu nehmen.
Für die Grünen, Klubobfrau Mag. Margarethe Krojer
1. Wie hoch schätzen Sie den Bedarf an Pflegefachkräften im Burgenland mittelfristig ein?
Eine genaue Zahl ist schwer abschätzbar. Fakt ist aber, dass der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung im Burgenland den höchsten Wert aller Bundesländer auf weist. Diese Tatsache wirkt sich in einem deutlich höheren Bedarf an Pflege- und Betreuungsleistungen aus. Daher ist mittelfristig mit einem stark steigenden Bedarf an Pflegefachkräften im Burgenland zu rechnen.
2. Welche Entwicklungen sehen Sie im Langzeitpflegebereich und mit welchen Maßnahmen wollen Sie auf diese Entwicklungen im Langzeitpflegebereich reagieren?
Einem wachsenden Bedarf an Pflege und Betreuungsleistungen stehen immer knapper werdende Budgets gegenüber. Die Grünen fordern daher einen bundesweiten Pflegefonds der aus den zusätzlichen Einnahmen von Vermögenszuwachssteuern sowie durch die Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuer gespeist werden soll.
Denn gerade in den Pflegebereich muss weiter investiert werden. Zusätzlich fordern die Grünen ein drittes Konjunkturpaket im Bereich sozialer Dienstleistungen, das zusätzliche Arbeitsplätze in den Bereichen Kinderbetreuung, Pflege und Bildung schaffen soll. Denn die Kosten der Finanz- und Wirtschaftskrise dürfen nicht auf die pflegebedürftigen Menschen abgewälzt werden.
3. Wie schätzen Sie die derzeitigen Arbeitsbedingungen im Pflegebereich generell ein und welche Möglichkeiten planen sie zur Verbesserung?
Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind nicht besonders gut und sehr belastend. Die Pflege ist körperlich als auch psychisch sehr anstrengend. Der Zeitdruck steigt auch aufgrund der knappen Personalausstattung immer stärker.
Der Administrations- und Dokumentationsaufwand ist hoch und für die Kommunikation mit Pflegebedürftigen bleibt kaum noch Zeit. Gesellschaftlich fehlt die Anerkennung für den Pflegeberuf, vor allem dann, wenn es um die leistungsgerechte Bezahlung der Pflegefachkräfte geht.
Es braucht daher eine Aufwertung des Pflegeberufs in vielerlei Hinsicht. Personalknappheit muss durch die Aufstockung des Pflegepersonals verhindert werden. Zur Aufwertung des Berufs braucht es auch entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote. So sollte es verstärkt Möglichkeiten zu einem akademischen Abschluss im Bereich der Pflegewissenschaften geben.
4. 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden derzeit von Angehörigen gepflegt, wie wollen Sie pflegende Angehörige unterstützen und entlasten- auch in finanzieller Hinsicht?
Pflegende Angehörige brauchen Entlastungsangebote. Die verstärkte Förderung der Kurzzeitpflege und Beratungsangebote für pflegende Angehörige sind daher unbedingt auszubauen. Auch Pflegeschulungen für Angehörige in denen sie durch qualifiziertes Pflegepersonal erfahren, wie sie den Pflegealltag besser meistern können, sollten verstärkt angeboten werden.
5. Welchen Stellenwert messen Sie Geriatrischer Prävention und Rehabilitation bei, und in welcher Rolle sehen Sie künftig Pflegefachkräfte bei deren Umsetzung?
Geriatrische Prävention und Rehabilitation ist sehr wichtig und spielt derzeit leider eine viel zu geringe Rolle. Pflegefachkräfte sollten beim Ausbau der geriatrischen Prävention und der Rehabilitation in einem multiprofessionellen Team miteingebunden sein.
6. Welche Schritte wollen Sie im Bildungsbereich der Pflegeberufe setzten? Ist Pflegeforschung für Sie von Bedeutung und gedenken Sie Ergebnisse der Pflegeforschung in Ihre politischen Entscheidungen einzubinden?
Die Höherqualifizierung von Pflegefachkräften ist ebenfalls sehr wichtig. In diesem Zusammenhang ist es bedauerlich, dass die Universität Wien das Studium der Pflegewissenschaften wieder eingestellt hat.
Im Gegensatz zur Medizin gibt es im Bereich der Pflegewissenschaften nur sehr wenig Forschung. Die Gewinnung und die Einbindung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse wäre auch im Pflegebereich ein wichtiger Schritt zur Qualitätssicherung.
7. Welche Möglichkeit sehen Sie für die stetig steigende Anzahl von spezialisierten freiberuflichen Pflegefachkräften, vor allem im Rahmen des mitverantwortlichen (medizinischen) Pflegebereichs, über den Hauptverband der Sozialversicherungen zu einer Rückvergütung der erbrachten Leistungen zu kommen?
Die Defizite der Krankenkassen führen zu einer Verknappung und Kürzung bei den Leistungen. Der einzige Ausweg ist eine nachhaltige Finanzierung der Krankenkassen, wofür die Grünen seit Jahren eintreten.
8. Welche Maßnahmen wollen sie setzten um ausgebildete Pflegefachkräfte beim Widereinstieg in den Beruf zu unterstützen?
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollte auch im Pflegebereich eine größere Rolle spielen. Die Rücksichtnahme auf Betreuungspflichten bei der Dienstplanerstellung.
Die Grünen fordern mehr Flexibilität im Sinne der ArbeitnehmerInnen, so dass ein Wechsel zwischen Teilzeit und Vollzeit leichter möglich wird. Die Grünen fordern ein Gesetz, analog dem Teilzeit- und Befristungsgesetz in Deutschland, das den Beschäftigten ein Recht auf Teilzeit mit Rückkehrrecht auf Vollzeit gibt.
ÖGKV-Landesverband Burgenland
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