Anlässlich der bevorstehenden Landtagswahlen in der Steiermark am 26. September 2010 hat der ÖGKV Landesverband Steiermark die zuständigen PolitikerInnen der wahlwerbenden Parteien aufgefordert zu aktuellen berufs- und gesundheitspolitischen Fragen Stellung zu nehmen.

 

 

1. Wie hoch schätzen Sie den Bedarf an Pflegefachkräften in der Steiermark mittelfristig ein?
Das  werden einige Tausend sein. Vor allem im Bereich der Pflege arbeiten derzeit in Österreich überdurchschnittlich viele ausländische Arbeitskräfte, teils illegal. Diese Praxis führt zu Lohndumping und Ausbeutung. Oft leidet auch die Qualität darunter.

Für junge Menschen mit Interesse am Pflegeberuf sollten mehr Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden. Das Voranschreiten der Akademisierung dieser Bereiche ist ein klares Zeichen. Das AMS prognostiziert in eigenen erhobenen Statistiken auch für die kommenden Jahre eine steigende Tendenz in Pflegeberufen. Der Bedarf steigt mit der Nachfrage und wird sich auch in den kommenden drei bis fünf Jahren dynamisch entwickeln, mit Sicherheit auch in der Steiermark, zumal es hier gute Ausbildungsmöglichkeiten für diese Bereiche gibt.

 

 

2. Welche Entwicklungen sehen Sie im Langzeitpflegebereich und mit welchen Maßnahmen wollen Sie auf diese Entwicklungen steuern?
Österreich investiert etwa 1,3 Prozent des Brutto-Inlandsproduktes in den Bereich der Landzeitpflege. Im Vergleich zu anderen Ländern ist das aber eher ein geringer Betrag, was dazu führt, dass sich gleichzeitig die Kosten im Gesundheitssystem durch mangelhafte Organisationsstrukturen mit rund drei Milliarden Euro jährlich zusätzlich niederschlagen.

Die Strukturen der Langzeitpflege und auch der Geriatrieversorgung sind in Österreich derzeit aufgrund einer fehlenden, effizienten Gesundheitsrefom unzureichend. Daher ist die Errichtung eines entsprechenden Fonds zwar gut gemeint, allerdings muss dieser Fonds auch gespeist werden.

Wir als soziale Heimatpartei wollen eine Veranschlagung von drei Prozent des Brutto-Inlandsprodukts für die Langzeitpflege.

 

 

3. Wie schätzen Sie die derzeitigen Arbeitsbedingungen im Pflegebereich generell ein und welche Möglichkeiten planen Sie zur Verbesserung?
Die Pflegetätigkeit darf nicht unterschätzt werden und verdient als Schwerarbeit höchste Anerkennung. Daher ist es uns wichtig sicherzustellen, dass weder Ausbeutung noch Lohndumping in diesem Bereich Platz greifen. Für viele Österreicher ist die illegale Beschäftigung eines Pflegers aus den östlichen Nachbarstaaten noch immer die attraktivste Lösung aufgrund der leistbaren Kosten.

Es ist wichtig, die Einstellung von österreichischen Pflegern über eine bessere finanzielle Unterstützung zu fördern und schrittweise wieder mehr Einheimischen Chancen zu geben.

 

 

4. 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden derzeit von Angehörigen gepflegt, wie wollen Sie pflegende Angehörige unterstützen und entlasten- auch in finanzieller Hinsicht?
Die FPÖ als soziale Heimatpartei bekennt sich zur Absicherung der pflegenden Angehörigen, denn Pflege und Betreuung im eigenen Heim haben nach wie vor Vorrang. Unser Ziel ist es, den Ausbau von teilstationären Diensten zu fördern und auch mehr Möglichkeiten für betreutes Wohnen und die private Pflege zu bieten – in der privaten Pflege müssen die Angehörigen rechtlich abgesichert werden.

Der Wert dieser privaten Betreuungsarbeit wird auf drei Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Personen, die einen nahen Angehörigen pflegen, können sich freiwillig zu einem begünstigten Beitragssatz in der Pensionsversicherung weiterversichern, eine Halbierung resp. die Übernahme des Dienstnehmerbeitrages durch den Bund ist längstens für 48 Monate möglich. Es gibt für diese Beschränkung keinen vernünftigen Grund!

Der Staat hat dafür zu sorgen, dass die harte Arbeit der Angehörigen gewürdigt wird und die pflegenden Angehörigen auch den Anspruch auf eine angemessene Pension erwerben.

 

 

5. Welchen Stellenwert messen Sie Geriatrischer Prävention und Rehabilitation bei und in welcher Rolle sehen Sie künftig Pflegefachkräfte bei deren Umsetzung?
Prävention ist vor allem in derart sensiblen Bereichen notwendig. Gut ausgebildete Pflegefachkräfte sollten in dieser Hinsicht nicht nur körperlich, sondern auch zur mentalen Unterstützung zur Verfügung stehen. Es ist wichtig, den Betroffenen – häufig sind diese ohne nahe Angehörige – ein Gefühl der Wertschätzung zu vermitteln. Ein entsprechender Umgang mit Patienten muss daher eine zentrale Rolle in der Ausbildung des Pflegepersonals einnehmen.

 

 

6. Welche Schritte wollen Sie im Bildungsbereich der Pflegeberufe setzen?
Es ist erfreulich zu sehen, dass in der Steiermark die Akademisierung der Pflegeberufe zunehmend voranschreitet. Beispielhaft zu nennen wäre etwa die Studienrichtung Gesundheits- und Pflegewissenschaft. Besonders wichtig im Pflegebereich ist uns aber die Sicherstellung der Qualität.

 

 

7. Ist Pflegeforschung für Sie von Bedeutung und gedenken Sie Ergebnisse der Pflegeforschung in Ihre politischen Entscheidungen einzubinden?
In Anbetracht der demografischen Entwicklungen kann und darf dieser Bereich nicht vernachlässigt werden. Seriöse Ergebnisse der Pflegeforschung sind natürlich von der Politik zu berücksichtigen.

Allein zur Qualitätssicherung ist eine ständige Überprüfung der Qualität der Pflege und der Pflegezustände in Österreich durchzuführen. Solche Kontrollmaßnahmen gibt es auch in anderen Staaten, z.B. der Bundesrepublik Deutschland und die Ergebnisse sind manchmal besorgniserregend. Daher muss begleitend kontrolliert und evaluiert werden, um auf Probleme und Mängel rechtzeitig zu reagieren.

 

 

8. Welche Möglichkeit sehen Sie für die stetig steigende Anzahl von spezialisierten freiberuflichen Pflegefachkräften, vor allem im Rahmen des mitverantwortlichen (medizinischen) Pflegebereichs, über den Hauptverband der Sozialversicherungen zu einer Rückvergütung der erbrachten Leistungen zu kommen?
Die Bundesregierung hat sich für die Bevorzugung der Selbstständigkeit in den Pflegeberufen ausgesprochen. Im Regierungsübereinkommen hieß es: „Für die Betreuung daheim ist ein eigener Beschäftigungstypus möglichst auf der Basis selbstständiger Beschäftigung zu entwickeln“.

Es handelt sich dabei aber nicht selten nur um eine „Schein-Selbstständigkeit“, da die wirtschaftliche und persönliche Abhängigkeit von einer bestimmten Person gegeben ist. Die Flucht in die Schwarzarbeit wird oft als Lösung gesehen. Hier gibt es einen Ansatzpunkt, der dringend geändert werden muss.

Auch in Bezug auf die Rückvergütung erbrachter Leistungen hat die Bundesregierung mit der hinkenden Gesundheitsreform Handlungsbedarf. Initiativen, die in diese Richtung gehen, werden von uns als soziale Heimatpartei selbstverständlich unterstützt werden.

 

 

9. Welche Maßnahmen wollen Sie setzen um ausgebildete Pflegefachkräfte beim Wiedereinstieg in den Beruf zu unterstützen?
Im Sinne der freiheitlichen Familienpolitik wird es von unserer Seite in jeder Hinsicht unterstützt, dass eine Mutter in den ersten Lebensjahren für ihr Kind da sein kann. Das muss allerdings auch finanziell ermöglicht werden, wobei die Letztentscheidung natürlich von den Betroffenen selbst abhängt.

Der Wiedereinstieg in einer sich schnell entwickelnden Branche kann nur durch die Möglichkeit von Fort- und Weiterbildungen gewahrt bleiben, um so bei der Rückkehr in den ursprünglichen Beruf tatsächlich gewachsen zu sein.