Anlässlich der bevorstehenden Landtagswahlen in der Steiermark am 26. September 2010 hat der ÖGKV Landesverband Steiermark die zuständigen PolitikerInnen der wahlwerbenden Parteien aufgefordert zu aktuellen berufs- und gesundheitspolitischen Fragen Stellung zu nehmen.

 

 

1. Wie hoch schätzen Sie den Bedarf an Pflegefachkräften in der Steiermark mittelfristig ein?
Der Pflegebedarf und damit verbunden der Bedarf an Pflegekräften wird steigen, das liegt aufgrund der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung klar auf der Hand. Es ist mir nicht möglich, eine konkrete Zahl zu nennen, aber ich gehe davon aus, dass das zuständige Ressort Berechnungen zur Verfügung hat.

 

 

2. Welche Entwicklungen sehen Sie im Langzeitpflegebereich und mit welchen Maßnahmen wollen Sie diese Entwicklungen steuern?
Der Bedarf an Langzeitpflege wird steigen, nicht nur aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Menschen älter werden, sondern auch deswegen, weil es immer weniger Angehörige geben wird, die Betreuung und Pflege übernehmen werden.

Ergänzend zu stationären Einrichtungen brauchen wir neuere, zusätzliche Angebote und die dafür notwendige Finanzierung! Ich denke an betreutes Wohnen, Tageszentren bzw. Tagesbetreuungsstätten (auch am Wochenende!), neue Betreuungsformen – damit ältere Menschen zu Hause unterstützt werden und länger selbständig leben und wohnen können.

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die Finanzierung der Pflege eines der vordringlichsten gesellschaftspolitischen Themen ist, die es auf Bundesebene  zu lösen gilt!

 

 

3. Wie schätzen Sie die derzeitigen Arbeitsbedingungen im Pflegebereich generell ein und welche Möglichkeiten planen Sie zur Verbesserung?
Die Aufgabenfelder im Pflegebereich sind sehr unterschiedlich (mobile Pflege, Krankenhaus, Pflegeheim, Reha u.a.), weswegen Arbeitsbedingungen auch unterschiedlich sein werden und sich nicht generell vergleichen lassen.

Grundsätzlich handelt es sich aber um einen fordernden und herausfordernden Beruf in Hinblick auf Arbeitszeiten, fachliche und soziale Kompetenzen und Belastungen.

Womit sich Verantwortliche aller Ebenen sehr wohl beschäftigen müssen, ist die Frage der Entlohnung. Diesbezüglich hat sich in den letzten Jahren einiges getan (BAGS), auch beim Personalschlüssel. Qualifikation, Qualität und Entlohnung sollten sich spiegeln. Auch in diesem Zusammenhang spielt die Finanzierung und damit die Absicherung der Pflege sowohl für die zu Pflegenden als auch für die Pflegenden eine enorme Rolle.

 

4. 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden derzeit von Angehörigen gepflegt, wie wollen Sie pflegende Angehörige unterstützen und entlasten – auch in finanzieller Hinsicht?
Es bedarf vieler verschiedener Angebote, um für die vielfältigen und unterschiedlichen familiären Situationen Entlastung zu schaffen.

Zu Angeboten außer Haus (Tageszentren), Kurzzeitpflege oder Karenz etwa sind flexiblere mobile Angebote zu Hause notwendig, um den Familienverband zu unterstützen. Jemand, der für 3 Stunden im Haus ist und nicht im 10-Minuten-Takt abzurechnen hat, wäre im Sinne von Kontinuität sowohl für Angehörige als auch für die Pflegebedürftigen.

Zudem stellt sich die Frage, wie sich Familien, die nicht in die Sozialhilfe fallen, etwa einen täglichen Aufenthalt in einem Tageszentrum leisten sollen, wenn pro Tag etwa 50,- Euro (je nach Pflegestufe) in Rechnung gestellt werden. Meiner Meinung nach muss es auch an Wochenenden entsprechende Angebote außer Haus geben. Der Informationsbedarf für pflegende Angehörige über Angebote ist enorm hoch!

 

5. Welchen Stellenwert messen Sie Geriatrischer Prävention und Rehabilitation bei und in welcher Rolle sehen Sie künftig Pflegefachkräfte bei deren Umsetzung?
Ich messe dem einen sehr hohen Stellenwert zu – in Hinblick auf die alternde Gesellschaft und sehe die Zuständigkeiten sowohl im Gesundheits- als auch im Sozialbereich gegeben.

Die Pflege nimmt dabei einen sehr hohen Stellenwert ein und kann sich in einem multiprofessionellen Team nur gleichberechtigt mit anderen finden. Aus- und Weiterbildung sind für jeden, der auf diesem Gebiet arbeitet, unabdingbar. Die Pflege muss auch mehr an Verantwortung übernehmen dürfen.

Zur aktuellen Diskussion, wer über die Einstufung und Beurteilung von Pflegestufen zu entscheiden hat, bin ich der Meinung, dass es nur so gehen kann, dass ÄrztInnen und Pflegefachkräfte miteinander entscheiden.

 

 

6. Welche Schritte wollen Sie im Bildungsbereich der Pflegeberufe setzen?
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Berufs- und Anforderungsprofil enorm verändert, die Ausbildung diesem Umstand zum Teil nicht mitgehalten. Ein zeitgemäßes Curriculum in der Ausbildung, das über die Qualifikation zur Pflege hinausgeht und etwa Management- und kaufmännische Kompetenzen vermittelt, ist unabdingbar. Alle vom ÖGKV gesetzten Schritte sind diesbezüglich zu unterstützen.

 

7. Ist Pflegeforschung für Sie von Bedeutung und gedenken Sie Ergebnisse der Pflegeforschung in Ihre polititischen Entscheidungen einzubinden?
Auch im Bereich der Pflege ist Forschung ein wichtiges Instrument und hat Bedeutung. Das Ziel ist die Qualität der Pflege und damit die Anwendung von Forschungserkenntnissen in der Ausbildung und in der Ausübung des Pflegeberufes. Aber auch der umgekehrte Weg – vom Pflegealltag in die Forschung und Wissenschaft – soll gewährleistet sein.

 

8. Welche Möglichkeit sehen Sie für die stetig steigende Anzahl von spezialisierten freiberuflichen Pflegefachkräften, vor allem im Rahmen des mitverantwortlichen (medizinischen) Pflegebereichs, über den Hauptverband der Sozialversicherungen zu einer Rückvergütung der erbrachten Leistungen zu kommen?
Mir scheint, dass diese Frage über ein zeitgemäßes Berufsbild zu regeln ist.

 

 

9. Welche Maßnahmen wollen Sie setzen, um ausgebildete Pflegefachkräfte beim Wiedereinstieg in den Beruf zu unterstützen?
Nachdem die Fluktuation bei den Pflege(fach)kräften groß ist, sind Maßnahmen und Anstrengungen erforderlich, um sie bei einem Wiedereinstieg in den Beruf zu unterstützen. Kampagnen und Schulungen sind unerlässlich, aber ebenso unerlässlich ist das Erkennen eines sicherlich individuell unterschiedlichen Bedarfs an Unterstützung. Auf wertvolle Ressourcen zu verzichten ist purer Luxus.