Infomation: Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige

Pflegende Kinder und Jugendliche – sogenannte Young Carers – sind ein verstecktes Phänomen. Die aktuelle Studie „Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige“ des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Wien gibt erstmals mittels wissenschaftlich fundierter Zahlen Einsicht in deren Situation.

Im Auftrag des Sozialministeriums wurde nicht nur die Anzahl gegenwärtig pflegender Kinder und Jugendlicher erhoben, sondern auch welche Aufgaben sie in der Familie übernehmen und welche Wünsche und Bedürfnisse sie für sich und die Familie haben. Demnach leisten pflegende Kinder in den verschiedensten Lebensbereichen Unterstützungsarbeit. Je nachdem, wo sie gebraucht werden, helfen sie im Haushalt, den gesunden Geschwistern oder in der direkten Pflege für die erkrankte Person. Knapp ein Viertel der Young Carers helfen in allen drei Bereichen überdurchschnittlich viel, manchmal fünf oder mehr Stunden am Tag. Hilfen von außen, zum Beispiel durch eine Pflegeperson, geben Kinder nur selten an.

Um eine aussagekräftige Datengrundlage zu erhalten, wurden in einem ersten Projektschritt an 85 Schulen (Wien und NÖ) Kinder und Jugendliche in der 5. bis 8. Schulstufe befragt. Der Rücklauf von 7.403 Fragebögen (= 71%) hat eine qualitativ hochwertige, repräsentative Auswertung ermöglicht. Bei der Hochrechnung wurde bundesweit ein Anteil von 3,5% bzw. rund 42.700 pflegenden Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 18 Jahren ermittelt. Diese deutlich höhere Anzahl als bisher vermutet, hat selbst die Studienautoren/innen überrascht. Das durchschnittliche Alter der Young Carers liegt bei 12,5 Jahren, 70% davon sind weiblich.

In einem zweiten Projektschritt wurden ehemalige, nun erwachsene Young Carers interviewt um zu erfahren, welche Auswirkungen die früh erlebte Pflegeerfahrung auf ihr berufliches und privates Leben hat und welche Unterstützung sie damals gebraucht hätten. Im Erwachsenenalter zeigen sich negative Auswirkungen in körperlicher, sozialer und psychischer Hinsicht – dies reicht von übersteigertem Kontrollbewusstsein bis hin zu Schuldgefühlen und Verlustängsten. Die frühe Pflegeerfahrung wird aus Sicht der Betroffenen aber oft auch positiv empfunden.

In diesem Sinne kommt den in der Gesundheits- und Krankenpflege tätigen Personen eine besondere Bedeutung zu. Sie haben die Möglichkeit, die Situation von Young Carers im Rahmen ihrer Tätigkeit „mit zu bedenken“ und sowohl im stationären, als auch im ambulanten Bereich als Multiplikatoren zu agieren. Als Informationsdrehscheibe können sie auf bestehende Hilfsangebote hinweisen.

Betroffene Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und sonstige Personen können sich z.B. an folgende Stellen wenden:

Ein zentraler Punkt zur Verbesserung der Situation von Young Carers liegt im Angebot familienorientierter entlastender Maßnahmen. So sollen etwa Möglichkeiten geschaffen werden, dass pflegende Kinder einen Alltag ohne Krankheit erleben und Freizeitaktivitäten nachgehen können. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Zuwendungen zu den Kosten für die Ersatzpflege gemäß § 21a Bundespflegegeldgesetz auch pflegenden Kindern und Jugendlichen gewährt werden können. Zuständig ist das Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen (www.bundessozialamt.gv.at).

Auf Basis der vorliegenden Studienergebnisse hat das BMASK einen wissenschaftlichen Forschungsauftrag zur Konzeptentwicklung und Planung von familienorientierten Unterstützungsmaßnahmen für pflegende Kinder und Jugendliche in Auftrag gegeben.

Die aktuelle Studie steht auf der Homepage des Sozialministeriums unter www.bmask.gv.at als Download zur Verfügung.

Weiterführende Informationen rund um das Thema Pflege und zu Young Carers befinden sich auf der Plattform für pflegende Angehörige auf www.pflegedaheim.at

Das Österreichische Jugendrotkreuz bietet ebenfalls Unterstützung und Aktivitäten für Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige an. 

Weiterführende Links:

  • Juniorcamp; das Sommercamp des Österreichischen Jugendrotkreuzes (ÖJRK) für Kinder von Eltern mit schwerer Erkrankung

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