Gehobener Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege

 

Ausbildung

Entsprechend der GuKG-Novelle 2016/2017, laufen mit 01. Jänner 2024 die Ausbildungen im gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege an Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege aus.

Die Ausbildung erfolgt an Fachhochschulen bzw. an Schulen für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege die in Kooperation mit einer Fachhochschule bzw. Universität diese Ausbildungen anbieten.

Gesundheits- und Krankenpflege an Fachhochschulen in Österreich

Die speziellen Grundausbildungen in der Kinder- und Jugendlichenpflege sowie in der psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflege sind mit 01.01.2018 entfallen. Die Wissensinhalte dieser beiden Ausbildungen, werden mit den Ausbildungsinhalten der Grundausbildung für die allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege zusammengeführt (generalistische Ausbildung).

Voraussetzungen

Voraussetzung für die Aufnahme in einen Fachhochschul-Bachelorstudiengang für die Ausbildung in der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege ist die für die Ausübung des Berufs erforderliche berufsspezifische und gesundheitliche Eignung sowie die Vertrauenswürdigkeit. Das Vorliegen dieser Voraussetzungen ist in einem standardisierten Aufnahmeverfahren zu überprüfen.

Für die Aufnahme in einen FH-Bachelorstudiengang wird die allgemeine Hochschulreife, eine Berufsreife oder Studienberechtigungsprüfung vorausgesetzt.

Abschluss der Ausbildung

Bachelor of Sciene in Health Studies (BSc) inkl. Berufsberechtigung in der Gesundheits- und Krankenpflege

Studiendauer: 6 Semster/3 Jahre 180 ECTS

Aufgabenspektrum

Die Tätigkeitsbereiche der Pflegefachkräfte ist vielfältig gliedert sich in folgende Bereiche:

Pflegerische Kernkompetenzen

Hier liegt die Entscheidungs- und Handlungsverantwortung beim gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege.

Eigenverantwortliche Erhebung des Pflegebedarfes sowie Beurteilung der Pflegeabhängigkeit, die Diagnostik, Planung, Organisation, Durchführung, Kontrolle und Evaluation aller pflegerischen Maßnahmen (Pflegeprozess) in allen Versorgungsformen und Versorgungsstufen, die Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitsberatung im Rahmen der Pflege sowie die Pflegeforschung.

  • Gesamtverantwortung für den Pflegeprozess
  • Planung und Durchführung von Pflegeinterventionen bzw. –maßnahmen
  • Unterstützung und Förderung der Aktivitäten des täglichen Lebens
  • Beobachtung und Überwachung des Gesundheitszustandes
  • Theorie- und konzeptgeleitete Gesprächsführung und Kommunikation
  • Beratung zur Gesundheits- und Krankenpflege sowie die Organisation und Durchführung von Schulungen
  • Förderung der Gesundheitskompetenz, Gesundheitsförderung und Prävention
  • Erstellen von Pflegegutachten
  • Delegation, Subdelegation und Aufsicht entsprechend dem Komplexitäts-, Stabilitäts- und Spezialisierungsgrad der Pflegesituation
  • Anleitung und Überwachung von Unterstützungskräften sowie Anleitung, Unterweisung und begleitende Kontrolle von Personen gemäß §§ 3a bis 3d,  11. Anleitung, Begleitung und Beurteilung von Auszubildenden
  • Ethisches, evidenz- und forschungsbasiertes Handeln einschließlich Wissensmanagement
  • Weiterentwicklung der beruflichen Handlungskompetenz
  • Mitwirkung an fachspezifischen Forschungsprojekten und Umsetzung von fachspezifischen Forschungsergebnissen
  • Anwendung komplementärer Pflegemethoden
  • Mitwirkung im Rahmen von Qualitäts- und Risikomanagement
  • Psychosoziale Betreuung in der Gesundheits- und Krankenpflege

Kompetenz bei Notfällen

Die Kompetenz bei Notfällen umfasst: Das Erkennen und Einschätzen von Notfällen und Setzen entsprechender Maßnahmen und die eigenverantwortliche Durchführung lebensrettender Sofortmaßnahmen, solange und soweit ein Arzt nicht zur Verfügung steht; Herzdruckmassage und Beatmung,  Durchführung der Defibrillation mit halbautomatischen Geräten oder Geräten im halbautomatischen Modus sowie  Verabreichung von Sauerstoff

Kompetenzen bei medizinischer Diagnostik und Therapie (beispielhafte Aufzählung)

Die eigenverantwortliche Durchführung medizinisch-diagnostischer und medizinisch-therapeutischer Maßnahmen und Tätigkeiten nach ärztlicher Anordnung.

  • Verabreichung von Arzneimitteln, einschließlich Zytostatika und Kontrastmitteln
  • Vorbereitung und Verabreichung von Injektionen und Infusionen
  • Punktion und Blutentnahme aus den Kapillaren, dem peripher venösen Gefäßsystem, der Arterie Radiales und der Arterie Dorsalis Pedis sowie Blutentnahme aus dem zentralvenösen Gefäßsystem bei liegendem Gefäßzugang
  • Legen und Wechsel periphervenöser Verweilkanülen, einschließlich Aufrechterhaltung deren Durchgängigkeit sowie gegebenenfalls Entfernung derselben
  • Wechsel der Dialyselösung im Rahmen der Peritonealdialyse
  • Verabreichung von Vollblut und/oder Blutbestandteilen, einschließlich der patientennahen Blutgruppenüberprüfung mittels Bedside-Tests
  • Setzen von transurethralen Kathetern zur Harnableitung, Instillation und Spülung bei beiden Geschlechtern sowie Restharnbestimmung mittels Einmalkatheter
  • Messung der Restharnmenge mittels nichtinvasiver sonographischer Methoden einschließlich der Entscheidung zur und Durchführung der Einmalkatheterisierung,
  • Vorbereitung, Assistenz und Nachsorge bei endoskopischen Eingriffen
  • Assistenztätigkeiten bei der chirurgischen Wundversorgung
  • Entfernen von Drainagen, Nähten und Wundverschlussklammern sowie Anlegen und Wechsel von Verbänden und Bandagen
  • Legen und Entfernen von transnasalen und transoralen Magensonden
  • Durchführung von Klistieren, Darmeinläufen und –spülungen
  • Absaugen aus den oberen Atemwegen sowie dem Tracheostoma
  • Wechsel von suprapubischen Kathetern und perkutanen gastralen Austauschsystemen
  • Anlegen von Miedern, Orthesen und elektrisch betriebenen Bewegungsschienen bei vorgegebener Einstellung des Bewegungsausmaßes
  • Bedienung von zu- und ableitenden Systemen
  • Durchführung des Monitorings mit medizin-technischen Überwachungsgeräten einschließlich Bedienung derselben
  • Durchführung standardisierter diagnostischer Programme
  • Durchführung medizinisch-therapeutischer Interventionen (z. B. Anpassung von Insulin-, Schmerz- und Antikoagulantientherapie), insbesondere nach Standard Operating Procedures (SOP),
  • Anleitung und Unterweisung von Patienten sowie Personen, denen einzelne ärztliche Tätigkeiten übertragen wurden, nach ärztlicher Anordnung.

Weiterverordnung von Medizinprodukten

Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege sind berechtigt, vom Arzt verordnete Medizinprodukte in den Bereichen Nahrungsaufnahme, Inkontinenzversorgung, Mobilisations- und Gehhilfen, Verbandsmaterialien, prophylaktische Hilfsmittel und Messgeräte sowie im Bereich des Illeo-, Jejuno-, Colon- und Uro-Stomas solange weiterzuverordnen, bis die sich ändernde Patientensituation die Einstellung der Weiterverordnung oder die Rückmeldung an den Arzt erforderlich machen oder der Arzt die Anordnung ändert.

Kompetenzen im multiprofessionellen Versorgungsteam

Der multiprofessionelle Kompetenzbereich umfasst die pflegerische Expertise des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege als Teil des multiprofessionellen Versorgungsteams bei der Zusammenarbeit mit Gesundheits- und Sozialberufen sowie anderen Berufen.

Im multiprofessionellen Kompetenzbereich haben Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege im multiprofessionellen Versorgungsteam das Vorschlags- und Mitwirkungsrecht.

Sie tragen die Durchführungsverantwortung für alle von ihnen in diesen Bereichen gesetzten pflegerischen Maßnahmen.

Der multiprofessionelle Kompetenzbereich des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege umfasst die pflegerische Expertise insbesondere bei Maßnahmen zur Verhütung von Krankheiten und Unfällen sowie zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit,  dem Aufnahme- und Entlassungsmanagement,  der Gesundheitsberatung,  der interprofessionellen Vernetzung, dem Informationstransfer und Wissensmanagement, der Koordination des Behandlungs- und Betreuungsprozesses einschließlich der Sicherstellung der Behandlungskontinuität, der Ersteinschätzung von Spontanpatienten mittels standardisierter Triage- und Einschätzungssysteme, der ethischen Entscheidungsfindung, der Förderung der Gesundheitskompetenz.