Erste Schritte & FAQs

Grundsätzlich hat jede/jeder diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin/-pfleger das Recht ihren/seinen Beruf nicht nur im Rahmen eines Dienstverhältnisses, sondern auch freiberuflich auszuüben. 

    Wird ein Gewerbeschein benötigt?

    Gesundheits- und Krankenpflege ist kein Gewerbeberuf, daher wird kein Gewerbeschein benötigt.

    Das Lösen eines Gewerbescheins, also eine Gewerbeberechtigung bei der Wirtschaftskammer ist dann erforderlich, wenn ein Gewerbe für Tätigkeitsfelder wie beispielsweise der Verkauf von Pflegeartikel, für Personalvermittlung, für Ernährungsberatung nach Traditionell Chinesischer Medizin oder dem Angebot kinesiologischer Methoden, Craniosacralbalance oder ähnlichen Tätigkeiten, die im Berufsbild der Pflege nicht enthalten sind, angeboten werden.

    Die Meldung eines Gewerbes erfolgt bei der Österreichischen Wirtschaftskammer.

    Wo erfolgt die Meldung der beabsichtigten Aufnahme der freiberuflichen Berufsausübung?

    Ab 1. Juli 2018 muss die Meldung der beabsichtigten freiberuflichen Ausübung im gehobenen Dienst für Gesundheits-und Krankenpflege der zuständigen Registrierungsbehörde gemeldet werden.

    Informationen zur Registrierung finden Sie hier

    Kontaktdaten der Registrierungsbehörde der
    Gesundheit Österreich GmbH
    GÖG
    https://goeg.at/gbr_
    Stubenring 4, Top 11, 1010 Wien                    
    E-Mail: gbr@goeg.at                        
    Telefon: 01/515 61 810

    Öffentlich zugängliche Daten aus dem Gesundheitsberuferegister finden Sie hier.

     

     

    Welche Berufsvertretung ist für die Anliegen der freiberuflichen Pflege zuständig?

    Für freiberuflich tätige Pflegepersonen besteht keine Pflichtmitgliedschaft in einer Standesvertretung, da sie weder der Arbeiterkammer (Dienstverhältnis) noch der Wirtschaftskammer (Gewerbe) zugehörig ist. Die einzige (freiwillige) Vertretung dieser Berufsgruppe ist der ÖGKV.

    Wie hat die freiberufliche Berufsausübung zu erfolgen?

    Die freiberufliche Ausübung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege hat persönlich und unmittelbar zu erfolgen, allenfalls in Zusammenarbeit mit anderen Angehörigen von Gesundheitsberufen. Zur Unterstützung bei der Ausübung dieser beruflichen Tätigkeiten können Angehörige der Pflegeassistenzberufe herangezogen werden.

    Im Rahmen der freiberuflichen Berufsausübung haben Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege die zur Betreuung und Pflege übernommenen Menschen oder die zu ihrer gesetzlichen oder bevollmächtigten Vertretung befugten Personen insbesondere über

    1. die Pflegediagnose

    2. den geplanten Ablauf der Betreuung und Pflege

    3. die Kosten der Betreuung und Pflege und

    4. den beruflichen Versicherungsschutz zu informieren.

    Im Rahmen der Aufklärung über die Kosten der Betreuung und Pflege ist insbesondere auch darüber zu informieren, welche Betreuungskosten von dem entsprechenden inländischen Träger der Sozialversicherung, der Krankenfürsorge oder einem sonstigen Kostenträger voraussichtlich übernommen werden und welche von dem betroffenen Patienten oder Klienten zu tragen sind. Dabei ist sicherzustellen, dass in jedem Fall die der betreuten Person in Rechnung gestellten Kosten nach objektiven, nichtdiskriminierenden Kriterien berechnet werden.

    Grundsätzlich hat jede und jeder Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege das Recht seinen Beruf freiberuflich, autonom und selbstständig auszuüben.

    Eine freiberufliche Berufsausübung oder eine Berufsausübung im Dienstverhältnis zu einer physischen Person, sowie eine Berufsausübung im Dienstverhältnis zu Einrichtungen oder Gebietskörperschaften, die Hauskrankenpflege anbieten, aber nicht unter ärztlicher oder pflegerischer Leitung oder Aufsicht stehen, darf nur erfolgen, sofern der Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege zur freiberuflichen Ausübung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege berechtigt ist (vgl § 35 Abs 2 GUKG).

    Merkmale der freiberuflichen/selbständigen Berufsausübung

    •        Eigener Berufssitz

    •        Eigene Dienstkleidung

    •        Erbringung von Leistungen im eigenen Namen

    •        Gestaltung der eigenen Einkaufs- und Verkaufspreise

    •         Rechnungslegung mit Briefkopf, Logo, Stempel, fortlaufender Nummer

    •         Kundenerwerb aufgrund eigener Entscheidung

    •         Mehrere Auftraggeber

    •         Einstellung und Entlassung von Personal

    •         Eigenverantwortliche Urlaubsregelung

    •         Einsatz von eigenem Kapital und eigene Arbeitsgeräte

    •         Entscheidung über Einkaufs- und Verkaufskonditionen

    •         Eigene Werbemaßnahmen wie Zeitungsannoncen

    •         Eigene Visitenkarten, Homepage, Folder

    Tipp: immer die GBR-Nummer anführen zwecks transparenter Nachvollziehbarkeit der Rolle im System und Ausdruck der Professionalität

    Berufssitz (§ 37 GuKG)

    1. Berufssitz ist der Ort, an dem oder von dem aus eine freiberufliche Tätigkeit regelmäßig ausgeübt wird.

    2. Jeder freiberuflich tätige Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege hat einen oder höchstens zwei Berufssitze in Österreich zu bestimmen. Der Berufssitz ist dem Gesundheitsberuferegister im Zuge der Meldung über die Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit bekanntzugeben.

    3. Die freiberufliche Ausübung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege ohne bestimmten Berufssitz ist verboten.

    4. Für die vorübergehende Erbringung von Dienstleistungen im gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege ist die Begründung eines Berufssitzes in Österreich (für Staatsangehörgie eines EWR-Vertragsstaats oder der Schweizerischen Eidgenossenschaft) nicht erforderlich. Aufgrund der komplexen grenzüberschreitenden Rechtslage wird hier eine eingehende rechtliche Beratung bei einem/einer Juristen/Juristin Ihrer Wahl empfohlen.

    Nähere Informationen zur vorübergehenden Erbringung von Dienstleistungen finden Sie hier.

    Wo leiste ich als Selbstständige meine Sozialversicherungsbeiträge?

    Die Anmeldung bei der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) hat innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Freiberuflichkeit zu erfolgen. Es wird zwischen dem Beitragsprozentsatz und der Beitragsgrundlage unterschieden. In der Krankenversicherung sind 6,8 % und in der Pensionsversicherung 18,50% der Beitragsgrundlage zu zahlen.  Die Beitragsgrundlage sind die Einkünfte aus den Betriebseinnahmen abzüglich der Betriebsausgaben auf Basis des Einkommensteuerbescheides.

    Freiberufliche fallen bei der SVS in die Kategorie "Neue Selbständige"

    Tipp: Lassen Sie sich von der SVS beraten. Wenn gewisse GEwinngrenzen unterschritten werden (Versicherungsgrenze 2021: 5710,32 € jährlich) sind Sie in der SVS nicht beitragspflichtig.

    Wie erfolgt die Meldung beim Finanzamt?

    Sobald eine freiberufliche Tätigkeit aufgenommen wird, besteht die Verpflichtung einer Meldung beim zuständigen Finanzamt. Hier erfolgt ein formloser Antrag. Das Finanzamt teilt eine Steuernummer zu. Bei Umsatzsteuerpflicht wird eine UID Nummer (Umsatzidentifikationsnummer) vergeben, welche auf der Rechnung angeführt werden muss.

    Was soll ich beachten bzgl. der Einkommenssteuerabgabe?

    Auch auf freiberufliche Einkünfte wird eine Einkommenssteuer erhoben. Es ist sinnvoll etwa 40 Prozent Steuerrücklagen aus den Einkünften als Rücklage zu erhalten, damit die Zahlungen an die Sozialversicherung, die Pensionsversicherung und das Finanzamt erfolgen können.

    Tipp: Holen Sie sich Unterstützung von einer Steuerberatungskanzlei um Fehler/Versäumnisse zu verhindern, die eventuell mit Nachzahlungen oder Strafzahlungen verbunden wären.

    Umsatzsteuerbefreiung für die Pflege

    Umsätze aus Heilbehandlungen gemäß Umsatzsteuergesetz (UstG) § 6 Abs. 1 Z 19 sind für die Berufsgruppe der Gesundheits- und Krankenpflegepersonen steuerfrei.

    Für die Rechnungsstellung von Heilbehandlungen soll der Zusatz "unecht umsatzsteuerbefreit gemäß § 6 Abs 1 Z 19 UstG" angeführt werden.

    Werbebeschränkung § 38 GuKG

    Im Zusammenhang mit der freiberuflichen Berufsausübung ist eine dem beruflichen Ansehen abträgliche, insebesondere jede vergleichende, diskriminierende und unsachliche Anpreisung oder Werbung verboten. Den Gesetzestext finden Sie hier.

    Beispiele:

    • Angaben müssen sachlich und wahr sein, sie dürfen nicht das Standesansehen beeinträchtigend sein.
    • Werbung für Arzneimittel, Heilbehelfe und sonstige medizinische Produkte sowie für deren Hersteller und Vertreiber.
    • Darstellen einer wahrheitswidrigen medizinischen Exklusivität
    • Selbstanpreisung der eigenen Person oder Leistungen durch aufdringliche bzw. marktschreierische Darstellung

    Gibt es Vorlagen von Werkverträgen?

    Ein Werkvertrag soll jedenfalls klar, verständlich und gut nachvollziehbar für den jeweiligen persönlichen Bedarf gestaltet und formuliert sein. Werkverträge können auch mündlich geschlossen werden, bei einem Streitfall vor Gericht lässt sich der Inhalt der Vereinbarung jedoch sehr schwer beweisen.

    Sowohl im intramuralen Bereich (Pflegeeinrichtung und Kliniken) wie auch extramural soll zwischen der Auftraggeberin bzw. dem Auftraggeber und der Auftragnehmerin bzw. dem Auftragnehmer ein klarer verständlicher und nachvollziehbarer Werkvertrag im Rahmen einer Auftragsbestätigung abgeschlossen und von beiden Parteien unterschrieben werden.

    Mustervorlage Werkvertrag auf der Homepage der Wirtschaftskammer Österreich: freier Dienstvertrag/ Abgrenzung zum Werkvertrag

    Sind zw. AuftraggeberIn und AuftragnehemerIn Verträge abzuschließen?

    Bei der freiberuflichen Berufsausübung soll - im besten Fall schriftlich - ein Vertrag zwischen den Kunden und der DGKP gemeindam ausformuliert und abgeschlossen werden.

    Mit Mitgliederbereich der ÖGKV Homepage finden Sie Vertragsmuster sowie ein dazugehöriges Informationsblatt.

    Gibt es Honorarvorgaben oder Empfehlungen?

    Von Seiten des ÖGKV werden keine Honorarvorgaben empfohlen. Individuelle Recherchen in der Region und am Gesundheitsmarkt der Gesundheits- und Krankenpflege sind notwendig.

    Welche Berufsgruppen darf ich als freiberuflich tätige Pflegeperson anstellen?

    Es dürfen alle Berufsgruppen der Pflege (gehobener Dienst, Pflegefachassistenz, Pflegeassistenz) von einem/einer freiberuflich tätigen Pflegeperson angestellt werden. Zur Ausführung von zB. Sekretariats- oder Reinigungsarbeiten, dürfen auch Angehörige anderer Berufsgruppen eingestellt werden.

    Liste Freiberuflich Pflegender auf der Homepage des ÖGKV

    Die Liste Freiberuflich Pflegender auf der Homepage des ÖGKV ist eine Plattform für freiberuflich tätige ÖGKV-Mitglieder auf der sie die Möglichkeit haben ihr freiberufliches Angebot öffentlich einsehbar online zu stellen. Die Liste dient dazu potentiellen Klienten/Klientinnen die Suche nach freiberuflich Pflegenden in ihrer Region zu erleichtern.

    Hinweis: Der Eintrag in diese Liste ist NICHT Voraussetzung für die Ausübung der freiberuflichen Tätigkeit.

    Wichtige Links zum Thema Freiberuflichkeit